Alfred Baur zahlt 3000 Euro Schmerzensgeld an Tafelladen-Leiterin

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Mit der Bestätigung der erstinstanzlichen Verwarnung wegen Beleidigung endete gestern der Berufungsprozess vor dem Landgericht Memmingen im Fall des früheren BRK-Kreisgeschäftsführers Alfred Baur. Nachdem sowohl Staatsanwalt Andreas Rossa als auch der Vertreter von Nebenklägerin Elvira V., Rechtsanwalt Falk-Peter Hirschel, ihre Berufungsanträge gegen die Entscheidung des Neu-Ulmer Schöffengerichts zurückgezogen hatten, war zudem der Weg frei für einen so genannten Täter-Opfer-Ausgleich – sprich: der ehemalige Geschäftsführer des Rotkreuz-Kreisverbands entschuldigte sich bei der früheren Leiterin des Neu-Ulmer Tafelladens Elvira V. „wegen der Vorfälle“ und zahlt der Frau 3000 Euro Schmerzensgeld.

Der ursprünglich auf drei Verhandlungstage angesetzte Prozess vor der 4. Strafkammer unter Vorsitz von Klaus Mörrath war mit nur gut fünf Stunden Dauer ein vergleichsweise kurzer – der zudem noch in Form eines Rechtsgesprächs der Verfahrensbeteiligten weitgehend hinter verschlossenen Türen stattfand.

Zur Erinnerung: Die Staatsanwaltschaft hatte den 57-jährigen Baur der Untreue in annähernd 100 Fällen, der sexuellen Nötigung sowie der Beleidigung angeklagt. Konkret soll Baur Waren, die von Großmärkten dem Neu-Ulmer Tafelladen gespendet worden waren, ins Rotkreuz-Seniorenheim gebracht haben. Außerdem, so lautete der Vorwurf, soll er von den Lebensmitteln, die für Hartz-IV-Empfänger, Senioren mit schmaler Rente und andere Bedürftige bestimmt waren, mit nach Hause genommen haben.

Darüber hinaus soll Baur die damalige Tafelladen-Leiterin Elvira V. begrabscht haben und sie abwechselnd als „blöde Kuh“ und „blöde Russin“ tituliert haben. Wie im ersten Prozess in Neu-Ulm räumte Baur ein, unverkäufliche Waren des Tafelladens – hauptsächlich „Großgebinde“ wie Zehn-Liter-Eimer Sahne oder Ähnliches – ins Ludwigsfelder BRK-Seniorenheim transportiert zu haben, einmal habe er auch einen Kaugummi und ein wenig Rosenkohl für sich abgezweigt – das Ganze sei aber nur deshalb geschehen, weil die Ware ansonsten hätte vernichtet werden müssen. Im Übrigen sie dieses Vorgehen mit den jeweiligen Rotkreuz-Kreisvorsitzenden, Hermann Geiger und später Gerold Noerenberg, abgesprochen gewesen.

Dass er seine Mitarbeiterin unsittlich berührt habe, stritt Baur erneut vehement ab, ebenso, dass er die Frau „blöde Russin“ genannt haben soll. Baur: „Das sind nicht meine Ausdrücke.“ Nicht mehr erinnern konnte er sich am Mittwoch, ob „blöde Kuh“ über seine Lippen gekommen ist, wenngleich er zugab, für seine „sehr deutliche, klare Sprache“ bekannt zu sein.

Gegen den Teilfreispruch des Amtsgerichts Neu-Ulm im Falle der Untreue hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, gegen den Teilfreispruch im Falle der sexuellen Nötigung die Nebenklägerin Elvira V. Ausschlaggebend für den Ausgang der gestrigen Verhandlung war die Antwort auf eine Rechtsfrage: Hat sich Baur tatsächlich der Untreue schuldig gemacht, als er das Altenheim belieferte? Offenbar kam die Kammer zu dem Schluss: Nein, denn der Tafelladen ist ebenso Bestandteil des Neu-Ulmer Rotkreuz-Kreisverbands wie das Ludwigsfelder Altersheim – die Ware ging sozusagen vom Roten Kreuz zum Roten Kreuz.

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