„Albertinum-Girls“: Deutschlands älteste Girl-Band

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Deutsche Presse-Agentur

Nein, Girls sind sie nun wirklich nicht mehr, die elf Damen aus dem Neu-Ulmer Seniorenzentrum Albertinum. Gemeinsam bringen sie 871 Jahre Lebenszeit zusammen.

Das dürfte wohl der deutsche Altersrekord einer Senioren-Song-Truppe sein, die im Internet mit einem poppigen Oldie-Rapp mit Refrain zu hören ist. Kokett nennen sie sich „Albertinum-Girls“, obwohl sie zwischen 69 und 92 Jahre alt sind. Vorsängerin ist die 88-jährige Johanna Müller. Süffisant trägt sie ihren Text vor: „Ich hab mich anziehen lassen, ich hab mich schminken lassen, ich hab alles machen lassen - mir ham viel Spaß g'habt“ - und swingend fallen die anderen „Girls“ in den dialektgefärbten Refrain ein: „Mir ham viel Spaß g'habt.“

Johanna Müller winkt ab, wenn sie auf ihren Solopart angesprochen wird. „Mir gfällt der Gsang net, ich bin doch kein Star.“ Die anderen hätten es aber pfundig gefunden, so habe sie halt aus Gaudi mitgemacht, sagt sie mit dem ihr eigenen trockenen Humor, der auch in ihrem Text herauszuhören ist. Als die Aufnahme schließlich fertig war und sie ihre eigene Stimme über die Lautsprecher hörte, da war sie dann doch ein bisschen stolz und schmunzelte. „Wir ham halt viel Spaß g'habt, das war für uns Alte doch ganz neu“, erzählt sie von der Aufnahme am 11. November vergangenen Jahres, just am Faschingsanfang.

Spiritus Rector der „Albertinum-Girls“ ist Seniorenbetreuer Georg Hieber, der gleichzeitig auch der Komponist des eingängigen Oldie-Songs ist. „Das ganze ist im Sommer vergangenen Jahres entstanden“, erzählt er. Zunächst habe er eine Rohversion immer wieder im Autoradio angehört, bis er dann mit einem ehemaligen Zivildienstleistenden, der inzwischen ein Tonstudio hat, zur Tat schritt. Ziel war eine poppige Vertonung mit den betagten Girls im Sprech-Wechsel-Gesang.

Im Albertinum-Veranstaltungsraum in Neu-Ulm wurde es dann mit Laptop und Mikro ernst. Der Refrain wurde aus elf Einzelstimmen zusammengemischt und mit Musik unterlegt. Die Damen mussten ihren Part einzeln ohne Musik einsingen. Alles klappte bestens. Die Ladies erwiesen sich als eine begabte Truppe, der Song kam auf Anhieb an. Wer sich die Demo-Version im Internet anhört erkennt, dass es sich um einen richtigen Ohrwurm handelt. Natürlich wurde der Oldie-Rapp sofort mit YouTube im Internet verlinkt, so dass die Albertinum-Girls ein großes Forum haben.

Bekannt geworden waren die rührig-rüstigen Seniorinnen vom Neu-Ulmer Albertinum schon durch einen lasziven Kalender, für den sie sich in koketten Positionen hatten fotografieren lassen. Der Kalender kam so gut an, dass er in kurzer Zeit vergriffen war. Jetzt würden die Girls mit ihrem Song am liebsten beim Ulmer Weiberfasching auftreten, aber das geht vom Timing her nicht mehr, sagt Hieber. Die Faschingstermine sind längst vergeben und ausgebucht, da können die Albertinum-Girls bei den Bällen als Show-Nummer nicht mehr dabei sein. Aber es bleibt ja das Internet. Auf der Girls-Homepage kann man Johanna Müller ganz flott rappen hören: „Mir ham viel Spaß g'habt!“ Es ist ein echter Ohrwurm geworden.

Die Senioren-Song-Truppe: www.albertinumgirls.de

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