Abwrackprämie verzerrt die Gebrauchtpreise

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Deutsche Presse-Agentur

Die von der Bundesregierung geplante Aufstockung der Abwrackprämie stößt nicht nur auf Zustimmung. Während die Autohersteller den Vorschlag überwiegend begrüßen, dürfte er den Gebrauchtwagenhändlern den Schweiß auf die Stirn treiben.

Sie leiden ohnehin unter dem speziellen Konjunkturprogramm, denn die 2500 Euro Staatszuschuss für den Neuwagenkauf beim Verschrotten eines Altautos wirbeln die Preise für Gebrauchtwagen kräftig durcheinander. So hat die Prämie den kuriosen Effekt, dass Gebrauchte je nach Typ und Alter spottbillig werden - oder teurer. Für flexible Gebrauchtwagenkäufer eröffnet das wiederum Chancen, ein Schnäppchen zu ergattern.

„Die Förderung schlägt Schneisen in den Markt“, klagt Ansgar Klein, geschäftsführender Vorstand beim Bundesverband freier Kfz-Händler (BVfK) in Bonn. Sie verzerre das Preisgefüge, das sich über Jahre zwischen Neu-, Jahres- und älteren Gebrauchtwagen eingependelt hat. Darauf weisen auch die Automobilexperten des Beratungsunternehmens Simon-Kucher & Partners in Bonn hin: Eine Subvention greife stark in den Gebrauchtwagenmarkt ein: „Eine Absenkung des Preisniveaus im Neuwagengeschäft, wenn auch nur temporär, drückt auch das Preisniveau des Gebrauchtwagenmarktes nach unten.“

Neu- und Jahreswagen würden durch die Abwrackprämie gegenüber den Gebrauchtwagen um bis zu 2500 Euro günstiger. Das sei „eine merkliche Wettbewerbsverzerrung“, denn ein solcher Preisunterschied sei für die meisten Käufer entscheidungsrelevant. Das scheint nachvollziehbar, denn wer vor der Entscheidung steht, sich einen günstigen Neuwagen oder einen jungen Gebrauchten zuzulegen, dürfte sich wohl eher für den fabrikfrischen Neuwagen entscheiden, wenn er in dem Fall auch noch 2500 Euro Zuschuss bekommt. Um Gebrauchtwagen noch losschlagen zu können, müssten Händler noch weiter mit den Preisen runtergehen.

Und genau das passiert in diesen Tagen: Fahrzeuge, die durch die Abwrackprämie nicht mehr förderfähig sind, sackten „unheimlich“ im Preis ab, sagt BVfK-Vorstand Klein. „Sobald ein Wagen ein Jahr alt ist, lässt der Preis abrupt nach.“ Man könne Gebrauchtwagenkäufern im Grunde nur raten, jetzt zuzuschlagen. „Es war noch nie so billig“, sagt Klein. Manche Gebrauchte mit ein paar Jahre auf dem Buckel würden inzwischen zu einem Drittel ihres eigentlichen Wertes angeboten.

Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Deutsche Automobil Treuhand (DAT) in Ostfildern betrifft das vor allem Fahrzeuge ab der Mittelklasse aufwärts. „Da haben wir erhebliche Preisrückgänge“, sagt DAT-Sprecher Siegfried Trede. Bei den bis zu einem Jahr alten Klein- und Kompaktwagen, die beim „Abwracken“ noch in den Genuss der staatlichen Prämie kommen, sei dagegen das Gegenteil festzustellen: Diese jungen Gebrauchten stiegen im Preis.

Wegen der allgemeinen Kaufzurückhaltung bis Ende des vergangenen Jahres seien auch diese Fahrzeuge anfangs noch in großer Zahl verfügbar gewesen. „Jetzt ist der Markt bei einigen Modellen leer gefegt“, sagt Trede. Die Händler müssten die Fahrzeuge aus dem Ausland herankarren - sofern es da noch welche gibt. Und bei knappem Angebot und gleichzeitig hoher Nachfrage steigt der Preis.

Gebrauchtwageninteressenten, die nicht auf Modell und Alter festgelegt sind, rät Automobilexperte Markus Hofer von Simon-Kucher & Partners, jetzt zuzuschlagen. „Generell sehe ich die Situation für Endkunden sehr positiv. Sehr viel bessere Konditionen wird es nicht geben.“ Allerdings sollten Kaufinteressenten vorher genau rechnen, welche Kaufvariante die günstigere ist: das Altfahrzeug beim Kauf in Zahlung geben, es privat verkaufen oder abwracken und dabei die Prämie kassieren. Von Fall zu Fall sei die eine oder andere Variante unterm Strich die günstigere.

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