„Abwracken“: Altauto gegen sparsamen Wagen eintauschen

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Deutsche Presse-Agentur

Die Abwrackprämie ist bei vielen Autofahrern derzeit das Topthema. Nach langer Kaufzurückhaltung haben die 2500 Euro Zuschuss vom Staat nun offenbar wieder das Interesse der Verbraucher an einem Neuwagen geweckt.

Viele Unternehmen haben bereits reagiert und ködern Verbraucher mit besonders günstigen Schnäppchenangeboten. Doch wer sich dazu entschließt, sein Altauto im Tausch gegen einen Neuwagen in die Schrottpresse zu geben, sollte nicht nur auf möglichst günstige Anschaffungskosten schielen. Auch die Umwelteigenschaften des „Neuen“ sollten eine Rolle spielen.

„Es sollte ein Auto mit möglichst niedrigem Verbrauch sein“, empfiehlt Gerd Lottsiepen vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Berlin. Und das aus zweierlei Gründen: Zum einen profitieren Fahrzeuge mit geringem Verbrauch und somit niedrigem CO2-Ausstoß von der Neuregelung der Kfz-Steuer, auf die sich die Große Koalition nach langem Streit am Montag (26. Januar) in Berlin geeinigt hat.

Demnach sollen neue Autos vom 1. Juli 2009 an nicht mehr nur nach Hubraum, sondern vor allem nach der Kohlendioxid-Emission besteuert werden. Bis zur Grenze von 120 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer soll es einen Freibetrag geben. Bei höheren Emissionen sind für jedes Gramm CO2 oberhalb der Grenze zwei Euro Steuer vorgesehen. Die Hubraum-Besteuerung sieht dem Kompromiss zufolge einen Sockelbetrag von 2,00 Euro je angefangene 100 Kubikzentimeter für Benzin-Fahrzeuge und von 9,50 Euro für Diesel-Fahrzeugen vor.

Fahrer eines Neuwagens mit niedrigem Verbrauch sparen aber nicht nur Steuern, sondern auch Spritkosten. Zwar seien die Preise für Diesel und Benzin derzeit im Keller, sagt Gerd Lottsiepen. Es sei aber „ganz eindeutig“, dass die Preise langfristig wieder steigen. „Irgendwann wird die Wirtschaft wieder anspringen und der Energiebedarf wieder größer. Sprit wird dann wieder deutlich teurer.“ Darauf weist auch Gerd Billen, Vorstand der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in Berlin hin: „Die Spritpreise werden nicht mehr lange so moderat bleiben wie derzeit. Wer jetzt in ein sparsames Modell investiert, für den zahlt es sich auf die nächsten Jahre gerechnet doppelt aus.“

Für sich genommen bieten die Abwrackprämie und die Reform der Kfz-Steuer laut Gerd Lottsiepen vom VCD eher geringe Anreize zum Kauf eines ökologischen Fahrzeugs. Eine ähnliche Kritik äußerte neben den Umweltverbänden auch Hedwig Verron vom Umweltbundesamt (UBA) in Dessau. Die Abwrackprämie allein rege nicht dazu an, ein sparsames Auto zu kaufen, sagte die Verkehrsexpertin. Die Aussicht auf Steuer- und Kostenvorteile beim Tanken sprächen aber beim „Abwracken“ eindeutig für einen sparsamen Neuwagen, so Lottsiepen. Als Richtgröße beim Verbrauch empfiehlt er bei Dieseln einen Schnitt von etwa fünf Litern. Ein neuer Benziner sollte nicht mehr als sechs Liter verbrauchen.

Allerdings ist Lottsiepen vorsichtig mit Prognosen, ob sich die Anschaffung eines Diesels für Neuwagenkäufer noch auszahlen wird. „Wir haben in der Vergangenheit bereits die Situation gehabt, dass Diesel genauso teuer war wie Benzin“, so der VCD-Experte. Vor dem Hintergrund jüngster Äußerungen von US-Präsident Barack Obama zur Entwicklung der amerikanischen Autoindustrie sei zu erwarten, dass mehr US-Verbraucher auf sparsame Dieselfahrzeuge umsteigen werden. Dann könnte Dieselsprit auf den Weltmärkten knapp werden - und an der Zapfsäule deutlich teurer. Kaufinteressenten empfiehlt er daher zu prüfen, ob sich ein Diesel für sie tatsächlich rechnet, oder ob nicht doch ein sparsamer Benziner die bessere Alternative ist.

Und auch aus einem dritten Grund könnte es sich für Verbraucher rechnen, beim „Abwracken“ nicht gleich beim vermeintlich günstigsten Kaufangebot zuzuschlagen, sondern in Ruhe die Umwelteigenschaften und Unterhaltskosten zu vergleichen. Denn wer sich jetzt als Neuwagen ein besonders schadstoffarmes Euro-5-Fahrzeug anschafft, kann laut Gerd Lottsiepen auch gleich eine zweijährige Steuerbefreiung mitnehmen.

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