Abwehrkrise bei Werder - VfB-Glücksgriff Träsch

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Deutsche Presse-Agentur

Die Torfabrik verkommt zur Schießbude: Werders Wackel-Abwehr wird immer mehr zum Sorgenfall und droht die Bremer früh vom angestrebten Meisterkurs abzubringen. „Wir waren schon mal weiter“, räumte Manager Klaus Allofs nach der 1:4 (0:2)-Klatsche beim VfB Stuttgart ein.

Die Norddeutschen zeigte sich erneut nur bedingt abwehrbereit und keineswegs titelreif. Mit einer Notelf hatten die Schwaben das enttäuschende Werder-Ensemble vorgeführt und beeindruckend Wiedergutmachung für die Fast-Blamage im UEFA-Cup betrieben. „Unser bestes Saisonspiel“, lobte VfB-Coach Armin Veh.

16 Gegentore in sieben Spielen - die Bremer Zwischenbilanz vor der Länderspielpause gleicht der eines Abstiegskandidaten. Sami Khedira (18. Minute), Vehs Glücksgriff Christian Träsch (29.), Roberto Hilbert (63.) und Martin Lanig (88.) offenbarten mit ihren Treffern Werders Schwächen am Samstag schonungslos. Chancen hatte der VfB, der wieder mittendrin in der Liga-Spitzengruppe ist, für ein halbes Dutzend Tore mehr. „Wir haben die Zweikämpfe nicht angenommen und konnten deshalb auch keine gewinnen“, schimpfte Gäste-Trainer Thomas Schaaf, für dessen ohne den Rot-gesperrten Abwehrchef Per Mertesacker angetretenes Team nur Diego Ergebniskosmetik betrieb (65.).

Kaschierte die beste Offensive der Bundesliga bei den Siegen in München (5:2) und gegen Hoffenheim (5:4) noch die Abwehrkrise des Vizemeisters, war vor 55 000 erstaunten Zuschauern in der Mercedes-Benz-Arena Schluss mit lustig. „So ein 5:4 ist ja ganz schön, aber es kann eben darüber hinwegtäuschen, dass man Probleme hat“, befand Allofs mit säuerlicher Miene. „Es ist bedenklich, wie wir die Gegentreffer kriegen. Das müssen wir ganz schnell abstellen.“

„Schießbude Wiese“, verhöhnten die VfB-Fans lautstark den frisch ins Nationalteam zurückberufenen Werder-Keeper Tim Wiese. „Der Frust sitzt tief“, gestand der 26-Jährige. „Ich habe dafür keine Erklärung“, sagte Bremens Kapitän Frank Baumann. Allofs indes wollte eine „gewisse Sorglosigkeit“ ausgemacht haben. Auch Coach Schaaf beklagte die mangelhafte Einstellung seiner zuvor in sechs Pflichtspielen ungeschlagen Mannen: „Wir haben alles vermissen lassen, was uns in den letzten Wochen stark gemacht hat.“

Genau das Gegenteil durfte Gegenüber Veh behaupten. Nur 44 Stunden nach der peinlichen Europapokal-Vorstellung gegen Cherno More Warna wirkte sein ersatzgeschwächtes Team wundersam frisch und verwandelt. „Hut ab“, meinte der Coach, der vor allem mit der Aufstellung von Nobody Träsch aus der Not eine Tugend machte. In seinem zweiten Bundesliga-Spiel gelang dem 21-Jährigen ein Traumtor, zudem bereitete er Hilberts Treffer vor. „Das werde ich nie vergessen“, verriet Träsch nach seinem Kracher mit 112 Stundenkilometern.

„Beeindruckend“, beurteilte VfB-Manager Horst Heldt die Leistung der Gastgeber und stellte seinen Profis prompt einen Freifahrtschein für den Besuch beim Volksfest auf dem Cannstatter Wasen am Mittwoch aus: „Jetzt dürfen sie auch mal die Sau rauslassen. Das haben sie sich verdient.“

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