Abitur nachholen und später mehr verdienen

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Deutsche Presse-Agentur

Marc-Lorenzo Schulz aus Pforzheim hat es mit dem Lernen während seiner Schulzeit nicht ganz so ernst genommen. Das Gymnasium hat er nach der 12. Klasse freiwillig verlassen.

Später wurde dem heute 25-Jährigen klar, welche Möglichkeiten er sich dadurch verbaut hat. Um ein Ingenieurstudium aufnehmen zu können, machte der junge Mann in Hamburg sein Abitur nach - neben seiner Berufsausbildung zum IT-Systemelektroniker. Mittlerweile studiert er Elektro- und Informationstechnik.

„Über den sogenannten zweiten Bildungsweg kann man das Abitur zum Beispiel am Abendgymnasium, an der Volkshochschule oder im Fernstudium nachholen“, erläutert Eva Aumüller vom Abendgymnasium in Greifswald. „Vorteil des Fernunterrichts ist, dass Lernort und Lernzeit frei wählbar sind“, sagt Elmar Thiel von der Hamburger Akademie für Fernstudien. Dies sei gut für die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit. Wie lange man bis zum Abi braucht, ist unterschiedlich. „Wenn der Realschulabschluss bereits vorhanden ist, beträgt die reguläre Lehrgangsdauer 32 Monate bei einem Aufwand von 12 bis 15 Stunden wöchentlich.“ Auf Basis eines Hauptschulabschlusses dauert der Lehrgang regulär 42 Monate.

In Greifswald müssen Interessenten in der Regel drei Jahre bis zur Abi-Prüfung einplanen. „Die Klasse 11 ist die Einführungsphase, in der vor allem Unterrichtsinhalte, die bis einschließlich Klasse 10 erworben wurden, aufgefrischt werden“, sagt Aumüller. An der Schule werden die Fächer Deutsch, Englisch, Russisch, Geschichte, Physik, Mathematik, Biologie und Chemie angeboten. „In vier Fächern davon muss am Ende der 13. Klasse eine Abiturprüfung abgelegt werden.“

Grundsätzlich unterrichten die Fernschulen nach den jeweiligen Lehrplänen und Prüfungsanforderungen des Bundeslandes. Wer beispielsweise den Fernlehrgang „Abitur“ beim Hamburger Institut für Lernsysteme (ILS) besucht, wird auf die dortigen Prüfungsanforderungen der Schulbehörde vorbereitet. Auch bei der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) mit Sitz im hessischen Pfungstadt gibt es die Möglichkeit, das Abitur berufsbegleitend im Fernunterricht nachzumachen. 133 Euro pro Monat müssen dafür bezahlt werden. „Die Gesamtkosten für einen Teilnehmer mit Realschulabschluss betragen momentan 4256 Euro“, sagt SGD-Geschäftsführerin Brigitta Vochazer.

„An Abendgymnasien, die keiner Volkshochschule angegliedert sind, ist die Ausbildung kostenlos“, sagt Aumüller. Ansonsten bieten etliche Volkshochschulen gebührenpflichtige Abitur-Kurse an. Wer das Abi nachholen möchte, braucht Disziplin, Motivation und Durchhaltevermögen. „Die Teilnehmer sollten sich bewusst sein, dass sie die Lernmaterialien zum Großteil eigenständig und mit hoher Eigeninitiative zu Hause bearbeiten“, sagt Vochazer.

In der Praxis läuft der Fernunterricht ähnlich ab wie bei einer normalen Schule. Beim ILS beispielsweise bekommen die Teilnehmer Aufgaben gestellt und müssen die Lösungen zur Korrektur an das Institut zurückschicken. Darauf gibt es wie bei einer regulären Schule Noten. „Dabei handelt es sich nicht nur um schriftliche Anmerkungen. Auch mündlich per Telefon oder in Form einer MP3-Datei können die Tutoren ein ausführliches Feedback geben“, sagt Karen Heinrich.

Hamburger Institut für Lernsysteme (ILS): www.ils.de

Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD): www.sgd.de

Wer sich abrackert, um das Abitur nachzuholen, hat danach nicht nur die Hochschulreife in der Tasche. „Der Einsatz wird am Ende belohnt“, sagt Karen Heinrich vom Institut für Lernsysteme aus Hamburg. Einer Studie zufolge erkennen Arbeitgeber den persönlichen Einsatz an und schätzen Fern-Lernende daher. „Personalchefs sehen im Abitur nicht nur eine wichtige Voraussetzung für Führungspositionen, sie bewerten auch den Weg über einen Fernlehrgang eindeutig positiv.“

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