Aalens Okic ältester Profi in Deutschland

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Deutsche Presse-Agentur

Die große Fußball-Bühne ist ein Traum geblieben, aber in der Alterspyramide seiner Zunft steht Branko Okic ganz oben.

Der Mittelfeld-Regisseur des Drittligisten VfR Aalen feiert am 16. Februar seinen 40. Geburtstag und ist damit der derzeit älteste Spieler der drei deutschen Profiligen. „Ich habe zu spät kapiert, dass für die Erste Bundesliga mehr dazu gehört als nur ein genialer Fußballspieler zu sein. Ich habe die ersten 30 Jahre meines Lebens nicht die richtige Einstellung zum Profifußball gehabt“, meint Okic.

In der Alters-Rangliste steht der Aalener Publikumsliebling noch vor den beiden Ex-Nationalspielern Michael Tarnat (Hannover 96) und Jens Lehmann (VfB Stuttgart), die erst im Herbst 40 werden. Mitte der 80er Jahre zählte der Kroate zu den größten Talenten des jugoslawischen Fußballs. „Mein Vorbild war stets Maradona“, sagt der 32-fache Junioren-Nationalspieler. Mit 17 unterschrieb er einen Vertrag beim Erstligisten FK Sarajevo, doch der Bürgerkrieg stoppte seinen Weg nach oben. Okic musste das Fußballtrikot gegen die Soldaten-Uniform tauschen.

Nach dem Krieg suchte Okic zunächst in der zweiten belgischen Liga sein Glück, ehe er zum ersten Mal nach Aalen kam. Als überragender Spielmacher führte er den Club von der Ostalb in die Regionalliga und wechselte dann zum Ligarivalen Rot-Weiß Erfurt. Auch bei den Thüringern spielte sich der torgefährliche Okic schnell in die Herzen der Fans. Am Aufstieg der Erfurter in die 2. Liga hatte er großen Anteil. Die Trainer der damaligen Regionalliga Süd wählten ihn zum zweitbesten Akteur der Spielklasse. „Zwischen 29 und 34 habe ich den besten Fußball gespielt. Ich wäre fit gewesen für die 2. Liga“, urteilt Okic heute.

Doch Erfurts Trainer René Müller befand Okic mit 35 für zu alt und musterte ihn aus. Enttäuscht kehrte der Routinier über Umwege nach Aalen zurück. Seine Klasse weist er beim VfR regelmäßig nach, auch wenn die Kondition seit zwei, drei Jahren oft nicht mehr für die ganze Spielzeit reicht. Sein Vertrag läuft noch bis Mitte 2010. Okic sagt aber: „Das ist meine letzte Saison. Im Sommer ist Schluss.“

In der kommenden Spielzeit will er höchstens noch für das Verbandsliga-Team kicken und nebenbei den Trainerschein machen. Das Feuer ist bei Okic, der bislang 231 Mal in der Regionalliga und 13 Mal in der 3. Liga zum Einsatz kam, aber keineswegs erloschen. „Ich gebe nicht auf bis zum 30. Juni. Bis dahin will ich jedes Spiel spielen.“

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