Postkarte kommt zwölf Jahre zu spät

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Von unserem Mitarbeiter Manfred Maurer

Vor 50 Jahren: Weil ein Lindauer Schuhhändler gegen Paragraf 10 der Altstadtsatzung verstoßen hat, wird er vor den Kadi zitiert. Schuldig geworden ist er durch die Umrahmung seines Reklameschilds mit Neon-Leuchtstoffröhren. Als Zeuge äußert Bauamtsleiter Eberhard Haller die Überzeugung, dass dadurch der Altstadtzauber erheblich gestört wird. Der Amtsrichter sieht zwar wegen Verjährung von einer Strafe ab, doch erlässt er eine strikte Beseitigungsanordnung.

Von einem "postalischen Kuriosum" berichtet die Lindauer Zeitung. Am 5. Dezember ist bei der Reutinerin Rosa Rief eine Postkarte eingetrudelt, die den Poststempel vom 1. September 1941 trägt. Wie es zu einer Verspätung von zwölf Jahren kommen konnte, bleibt ein Rätsel.

In Lindau wird der jüngste Filmclub Westdeutschlands gegründet. Schon bei der Gründungsversammlung treten ihm 67 Filmfreunde als Mitglieder bei. Zum 1. Vorsitzenden wird Dr. Fritz Schlechter gewählt.

Die Große Strafkammer am Landgericht Lindau verdonnert nach achttägiger Verhandlung einen bekannten einheimischen Geschäftsmann zu zwei Jahren Zuchthaus wegen eines Verbrechens der Notzucht. Obwohl der Angeklagte den ihm zur Last gelegten Sachverhalt leugnet, gelangt die Kammer zu der Überzeugung, dass er sich wiederholt an seinem Lehrmädchen vergangen hat.

Vor 25 Jahren: Die erste Faksimile-Ausgabe der kostbaren Handschrift des Lindauer Bruch- und Augenarztes Caspar Stromayr wird im Rathaus vorgestellt. Jetzt haben Forscher in aller Welt die Möglichkeit, sich intensiv mit Stromayrs großartigem Werk zu beschäftigen, das der Mediziner vor 420 Jahren geschaffen hat. Oberbürgermeister Josef Steurer freut sich über einen ersten Höhepunkt des Erschließens von Kostbarkeiten der Lindauer Stadtbibliothek. Ein Exemplar der Faksimile-Ausgabe kostet 1600 Mark.

Bei der Aufstellung des städtischen Haushalts für das Jahr 1979 beklagen die Mitglieder des Finanzausschusses die schlechte finanzielle Lage der Stadt. "Wir sind bis zur Grenze des Möglichen gegangen, es ist keinerlei Luft mehr drin", stellt der Oberbürgermeister fest. Um den Etat ausgleichen zu können, müssen 5,9 Millionen Mark aufgenommen werden.

Die Einweihung des neuen Gemeindeheims wird zu einem Freudentag für die evangelische Christuskirche in Aeschach. Pfarrer Hans Niederstraßer freut sich, dass künftig noch intensivere Gemeindearbeit möglich ist. Freude löst auch die Nachricht aus, dass die Synode eine zweite Pfarrstelle für Aeschach bewilligt hat.

Vor zehn Jahren: Voll angelaufen sind die Arbeiten zur Restaurierung der alten Kapelle auf dem Alten Friedhof in Aeschach. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude befindet sich in einem sehr schlechten baulichen Zustand. Die Sanierungskosten in Höhe von 800 000 Mark werden weitestgehend von der Bischöflichen Finanzkammer getragen.

Im Alter von 87 Jahren stirbt Professor Fritz Thelen, der sich um die Pflege der Blasmusik große Verdienste erworben hat. Als Dirigent zahlreicher Kapellen, als Rezensent auch für die Lindauer Zeitung, als Komponist und unermüdlicher- Funktionär im Allgäu-Schwäbischen Musikbund ist Thelen vielfach ausgezeichnet worden. Bereits 1944 war er zum Professor ernannt worden.

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