"Irgendwann wird eine Fusion FC 08/Jahn fast Pflicht"

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Klaus Bantel (50), er war früher auch Bezirks-Sichtungsleiter, ist langjähriger Fußball-Jugendleiter des FC 08 Tuttlingen, der heute in der Mühlau-Halle die Endrunden-Turniere der A-und B-Jugend Hallenrunde im Bezirk Schwarzwald ausrichtet.

Von unserem Redakteur Roland Habel

Was darf sich der Fußballfreund vom Stelldichein der besten Hallenfußball-Mannschaften des Bezirks bei A- und B-Jugend erwarten?

In der Halle können auch kleine Vereine eine gute Mannschaft stellen und haben so auch eine Chance. Ich befürchte in dieser Endrunde kein Gebolze, sondern da wird schon gepflegter Fußball gespielt. Ich finde es eine prima Idee, dass man vom alten Zopf abgekommen ist und dieses End-Turnier nun erstmals in einer Super-Halle sowohl mit großen Toren als auch mit Rundumbande ausgespielt wird. Für den A- und B-Jugend-Fußball in der Halle ist das sicher eine Aufwertung. Viele Vereine veranstalten für diese Jahrgänge ja gar keine Hallenturniere, aus Angst, es drohe Randale. Aber meiner Erfahrung nach gibt es, wenn gute Mannschaften dabei sind, kein Gebolze und auch keine Ausschweifungen.

Sie selbst wollen ja, so hört man, als Jugendleiter des FC 08 heuer aufhören. Stimmt das - und was sind die Gründe dafür?

Ja, ich höre zum Ende dieser Runde auf. Der Grund ist in erster Linie, dass man zum einen viel einbringt, und am Schluss schaut dann wenig raus. Es ist immer schwieriger, andere Leute fürs Mitmachen zu motivieren, geeignete Jugendbetreuer zu finden - und die, die man hat, laden auch viel auf einem ab. Wenn dann die Hauptlast immer auf wenigen Schultern ruht, wächst einem das mal über den Kopf, und man hat irgendwann die Nase voll. Auch beruflich kommt einiger Mehraufwand auf mich zu; außerdem bin ich ja jeden Tag zwei Stunden nach und von Balingen unterwegs. Dazu ist die A- und B-Jugend im Feld - in der Halle geht es ja noch - sehr trainingsphlegmatisch; man muss ihnen dauernd hinterher telefonieren. Und viele Jugendliche denken, so wie sie das im Fernsehen sehen, es sei ein Selbstbedienungsladen.

Wer soll Ihr Nachfolger als 08-Jugendleiter werden?

Martin Ittermann, mein bisheriger Stellvertreter.

Wie schätzen Sie generell die Lage des heimischen Jugendfußballs ein?

Mit das Hauptproblem ist es, dass die wenigsten Vereine geeignete, qualifizierte Betreuer für die Jugend haben - nicht für die A- und B-Jugend, und weiter unten schon gar nicht. Dann kommt es so, wenn die Spieler in die A-Jugend kommen und vorher Trainer hatten, die die Zügel schleifen ließen, dass es Schwierigkeiten gibt, sie zu integrieren. Wenn sie jahrelang mit ihren Trainern Micheles gemacht haben, kriegt man das gar nicht mehr raus. Mir persönlich gefällt es auch nicht, wenn einige Vereine Jugend-Spieler zusammen holen; ich sehe das als nicht gut an. Auch wenn die Spieler dann tatsächlich in höheren Ligen Erfolg haben. In kleineren Vereinen müssen gute Spieler alles geben, um die schwächeren Samstag für Samstag mitzuziehen - das gibt dann auch später die wirklich guten Fußballer!

Hielten Sie in Tuttlingen eine Fußball-Fusion von FC 08 und TV Jahn für sinnvoll?

Ich habe mich darüber auch schon mal mit Frank Fedtke vom Jahn unterhalten - irgendwann wird das fast Pflicht. Dann kann man die Stinkstiefel aussortieren. Im Moment spielen sie uns gegeneinander aus, oder viele deutsche Jugendliche wechseln wegen der Überzahl ausländischer Alterskollegen zu Vereinen der Umgebung. Wir brauchen da eine bessere Mischung; sie stimmt bei uns nicht und beim Jahn nicht. Es wäre eigentlich eine Vernunftaufgabe, sich bei der Jugend, und vielleicht sogar bei den Aktiven, zusammenzuschließen. In Albstadt war früher die Rivalität zwischen Ebingen und Tailfingen noch viel schlimmer, und trotzdem hat man einen Weg gefunden. Auch in Rottweil ist es erst besser geworden, seit dort ESV und TG Altstadt keine eigene Jugendarbeit mehr machen.

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