"Bei bester Gesundheit und in geistiger Frische"

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Hans Stefan Wax blätterte in den Zeitungen von 1953

BIBERACH - "Altersjubilare", drei an der Zahl, stellt uns die "Schwäbische Zeitung" in ihren Ausgaben vom November 1953 vor:

Friedrich Thuma, in Erolzheim geboren, aber schon in frühester Jugend nach Biberach gekommen, begeht am 6. November seinen 80. Geburtstag. Wie sein Vater schlug er eine künstlerische Laufbahn ein und war zu seiner Zeit ein weithin bekannter Bildhauer. Seine Plastiken sind "im ganzen Schwabenland verstreut und atmen edle Form, Einfachheit und dadurch stille Größe". Hier seien nur der Martinus in der Biberacher Stadtpfarrkirche und das Erzberger-Grabmal auf dem katholischen Friedhof genannt.

"Viele Jahre lebte Friedrich Thuma als Künstler in Stuttgart und arbeitete in einem der großen Künstlerateliers des Vereins Württ. Kunstfreunde, nahe der Akademie. Er war auch für die Württembergische Metallwarenfabrik Geislingen tätig, lieferte ihr Plastiken, die dann dort in Bronze gegossen wurden. Eine dieser Figuren grub er noch aus dem Schutt aus, als ihn, wie viele Tausende, im Juli 1944 das Unglück traf, dass durch Bomben der Großteil seines künstlerischen Werkes und seine persönliche Habe in Stuttgart zerstört wurden. In seiner alten Heimat Biberach suchte er nun wieder Aufnahme zu erhalten und fand eine Bleibe im Bürgerheim und schließlich auch wieder eine, wenn auch recht bescheidene, Arbeitsstätte in einem Raum des Schlachthauses, das ja einstens Biberachs Komödienhaus gewesen und wo Wieland erstmals Shakespeare aufzuführen wagte. In dieser alten Kammer - man kann sie nicht besser bezeichnen - ist trotz allem Unglück Thumas künstlerische Kraft lebendig geblieben."

"Konrektor Friedrich Buttschardt feiert am 9. November seinen 60. Geburtstag. Er ist in Ulm als Sohn des damaligen Schullehrers und späteren Biberacher Musikdirektors Ferdinand Buttschardt geboren. 1913/14 war er Seminarmusiklehrer in Heilbronn und wurde nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg ständiger Lehrer in Pflummern". Von dort kam er nach Biberach, wo er über Jahrzehnte im öffentlichen Leben als Lehrerobmann, Schützendirektor, Kirchengemeinderat, Kirchenmusiker, Musikpädagoge, Chor- und Orchesterleiter, Schriftführer im Alb- und Alpenverein eine herausragende ehrenamtliche Rolle spielt. "Doch die ersten Nachkriegsjahre mit ihren politischen Begleiterscheinungen brachten ihm manch ungerechte Behandlung. Möge es ihm die Gesundheit erlauben, noch viele Jahre mit gleichem Idealismus im Beruf und im kulturellen Leben unserer Stadt mitarbeiten zu können."

Pfarrer i. R. Karl Leube, Schussenried, vollendet am 15. November das 75. Lebensjahr. "Er darf den Tag im Kreise seiner Angehörigen bei bester Gesundheit und geistiger Frische feiern. Im Jahre 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, trat er sein hiesiges Amt, das damals mit einer umfangreichen Diaspora verbunden war, an. Immer mit gleich pflichttreuem Einsatz stand er seiner ständig wachsenden Kirchengemeinde gewissenhaft vor. Liebevoll und immer mit einem guten Wort versah er den Dienst an den Kranken der Heilanstalt, deren Anstaltsgeistlicher er war." Dass die Nazischergen im Jahr 1940 aus dieser Anstalt 624 Patienten verschleppten und ermordeten und Karl Leube einer der wenigen war, die bei den damaligen Machthabern gegen die Euthanasie-Maßnahmen protestierten, soll hier nicht unerwähnt bleiben. Für sein mutiges, freilich vergebliches Eintreten für das Lebensrecht psychisch Kranker wird Leube 1959 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.} styletyp0 SZ-Serie} styletyp0 Damals}

Plastik aus der Werkstatt Friedrich Thumas: Das Erzberger-Denkmal auf dem katholischen Friedhof in Biberach. Foto: privat

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