Pfarrer Fink und die Glockenpredigt

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Die fünfte Folge unserer Artikelserie über das 100-jährige Jubiläum der Marienkirche bringt wichtige Ereignisse aus der Zeit mit dem ersten Pfarrer der Kirche St. Maria: Stefan Fink.

Pfarrer Fink war am 17. Dezember 1907 als Stadtpfarrer von St. Maria investiert worden. Schon eineinhalb Jahre später konnte er ein zweites Fest mit der Gemeinde feiern: Die Orgelweihe. Fast sechs Jahre hatte die Gemeinde auf die wichtige Begleitstimme beim Gesang warten müssen, doch nun wurde durch die Gebrüder Spätz in Ennetach-Mengen ein hervorragendes Instrument gebaut. Am 7. Juli 1909 war feierliche Einweihung. Die Festpredigt hielt Pfarrer Fink, die Einsegnung nahm Dekan Marquart vor. Anschließend fand ein Kirchenkonzert statt, verbunden mit einer Vorführung der neuen Orgel. Am Nachmittag traf man sich zur "weltlichen Feier" im "Ochsensaal". Gleichzeitig mit dem Einbau der Orgel wurde das Orgelfenster mit einem Bildnis der Heiligen Cäcilia eingefasst.

Erst 1911 konnte der Innenraum der Kirche fertiggestellt werden. Der damals bekannte Maler Gebhard Fugel malte das Chorbogenbild "Maria Verkündigung" und die noch heute vorhandenen Frauenbildnisse aus dem Alten Testament.

Dann kam der Erste Weltkrieg und hinterließ auch in Isny seine schrecklichen Spuren. So wurde der 29. Juli 1917 zu einem der traurigsten Tage der noch jungen Pfarrei: Vier der fünf Glocken mussten als "Kriegsopfer" abgeben werden. Die größte Glocke wurde als "Läuteglocke" zunächst zurückgestellt, musste dann aber nicht mehr "geopfert" werden. Bei der Abschiedsmesse für die vier Glocken hielt Pfarrer Fink seine berühmte und von ihm veröffentlichte "Glockenpredigt". Am Abend erklang das Abschiedsgeläute, "das manchem Tränen in die Augen trieb". Am anderen Tag wurden die Glocken durch die Glockengießerei Wolfart abgenommen. Unter dem Geläute der einzig zurückbleibenden großen Marienglocke wurden die bekränzten und mit Trauerflor gezierten Glocken zum Bahnhof überführt.

Während der Kriegsjahre war der Kirchenbesuch außerordentlich hoch, wie die Zahlen von 1918 belegen. An einem Sonntag in der Fastenzeit wurden in der Frühmesse 360 Kirchenbesucher gezählt, im Amt dagegen unglaubliche 1620. Dabei ist die Kirche eigentlich nur für 750 Besucher gebaut

Nach 15-jährigem Wirken in Isny verließ Stadtpfarrer Fink St. Maria, um eine Pfarrstelle in Rottweil anzutreten. Am 20. September 1922 hielt er noch einmal eine seiner berühmten Ansprachen, diesmal als Abschiedspredigt.

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