Duisburger Ausstellung zu «Taktiken des Ego»

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„Taktiken des Ego“ stehen im Mittelpunkt einer Ausstellung des Duisburger Wilhelm Lehmbruck Museums. Die Schau mit Werken von 17 jüngeren Künstlern wie Bill Viola oder Tracey Emin ist bis zum 31. August zu sehen und versteht sich als „gesellschaftliche Psychoanalyse einer Übergangsgeneration“, sagte Kuratorin Sabine Maria Schmidt. In Film- und Videoarbeiten, Malerei oder Installationen gehe es um Veränderungen des „Selbst“ zwischen Zerstörung, Fiktionalisierung, Verleugnung oder Egomanie.

„Ich bin was Besonderes“ lässt die Videokünstlerin Corinna Schnitt in „Schloss Solitude“ eine Frau im Rokoko-Kostüm angesichts ihres Spiegelbildes singen, während ein Männerchor in Polizeiuniform des öfteren „Jaja“ und „Wir lieben Dich“ einwirft. Nicht nur, dass das Außergewöhnliche ihrer Person durch die Litanei zum hohlen Pathos wird. Auch entpuppt sich das „Individuelle“ durch die gelangweilt wiederholte Bestätigung als bloße Bagatelle.

„Paranoia“, so Kuratorin Schmidt, beherrsche die in den 60er Jahren geborene „Übergangsgeneration“. Ihr vorherrschendes Lebensgefühl beruhe nicht auf einer Krise ihrer Innenwelt, sondern auf einer - zunehmend medial geprägten - „Dauerkrise der Außenwelt“.

Als einer der älteren Künstler der Ausstellung ironisiert sich der in Nizza lebende, 68-jährige Ben Vautier auf seiner „Ego-Wand“ noch selbst, indem er „versucht, nicht ich selbst zu sein“. Während seine Schrift- und Objektbilder zwischen Behauptungen wie „j'existe“, Aufforderungen wie „love me“ und Bekenntnissen wie „Ich habe meine Wirbelsäule verloren, weil ich gefallen wollte“ differenzieren, fordert der 37-jährige Gilles Barbier aus Marseille den Betrachter zum Brettspiel. Dessen lapidare Anweisung lautet: „Seien Sie wirklich ein Arschloch“.

Selbstbeobachtung bietet die Engländerin Tracey Emin. In die Rollen „schlampig“ und „bourgeoise“ gespalten, interviewt sie sich selbst. Indem sie sich mit Fragen über ihre ständige Flucherei, ihre Gewalttätigkeit und Wut über ihre verschiedenen „Ichs“ Rechenschaft ablege, spreche Emin „wichtige Aspekte der Übergangsgeneration“ an, sagte Schmidt.

Mit „Suicide Bomb“ und „Small things end, great things endure“ stammen die beeindruckendsten und radikalsten Werke der Schau von der Niederländerin Mathilde ter Heijne. Handelt die eine Filmarbeit vom Phänomen Selbstmordattentat, geht es in der anderen um Selbstmord als Sühne und Protest. Beide aber zeigen Selbstzerstörung als „Taktik des Ego“.

www.lehmbruckmuseum.de

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