Hat der August-Halm-Preis eine Zukunft?

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TROSSINGEN - Immerhin, beachtliche 20 000 Mark bekamen die Preisträger und dreimal wurde er verliehen, der August-Halm-Preis der Musikhochschule Trossingen. Alle drei Jahre sollte die Auszeichnung verliehen werden, doch seit 1995 hat sich nichts mehr getan. Die Ursache auch hier wie in vielen anderen Bereichen: Geldknappheit.

Von unserem Redakteur Alfred Thiele

Hohe Ziele hatte sich die Trossinger Musikhochschule 1987 gesetzt, als die August-Halm-Stiftung e.V. gegründet wurde, die sich, grob gesagt, mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Musik beschäftigt. Verbunden war das öffentliche Engagement des Vereins mit der Verleihung des August-Halm-Preises: Im Abstand von drei Jahren wollte man Künstler, Ensembles und andere Personen oder Institutionen würdigen, die sich Verdienste im Sinne des Stiftungs-Gedankens erworben hatten. "Mit diesem Preis sollen Persönlichkeiten des kulturellen Lebens ausgezeichnet werden, die sich in besonderer Weise um die Vermittlung von Musik verdient gemacht haben", heißt es dazu konkret in der Satzung der Stiftung. Und weiter: "Dabei sollen Leistungen auf künstlerischem, pädagogischem, wissenschaftlichem, publizistischem oder politischem Gebiet gewürdigt werden, die geeignet sind, die allgemeine musikalische Kultur und Bildung sowie das ästhetische Wertbewusstsein zu fördern."

Der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Volker Scherliess, lange Jahre Dozent an der Trossinger Hochschule, vertiefte diesen Gedanken 1989 in einem Essay: "Musik ist ja heute wie nie zuvor gegenwärtig. In ihrer ständigen Verfügbarkeit liegt zwar eine große Chance - wer wollte auf sie verzichten? - aber freilich nur, so lange sie verantwortungsvoll genutzt wird", schreibt Scherliess.

Der Preis wende sich gegen die "Haltung unbedachten Konsumierens, die im allgemeinen Strom des Musikbetriebes gar nicht die Frage nach Sinn und Möglichkeiten der Musik aufkommen lässt - und man muss hinzufügen: eben so wenig nach dem Unsinn und den Unmöglichkeiten im Umgang mit ihr", so der Musikwissenschaftler.

Dreimal wurde der Preis verliehen, der nach dem württembergischen Komponisten und Musikschriftsteller August Halm (1868 bis 1929) benannt ist: Im November 1989 an den langjährigen Chefdirigenten des SWF-Rundfunkorchesters, Ernest Bour, 1992 an den Pianisten Aloys Kontarsky und 1995 an das Freiburger "ensemble recherche".

Seither ist es total still geworden um die Stiftung, der Preis wurde nicht mehr verliehen.

"Es liegt an den Finanzen, die Mittel wurden vom Ministerium gestrichen", bedauert Erwin Amann, der Verwaltungschef der Musikhochschule Trossingen. Aufgegeben habe man die Idee allerdings auf keinen Fall. Er hoffe, dass irgendwann wieder Gelder bereitgestellt werden, dann werde auch die Auszeichnung sicher wieder verliehen", gibt sich Amann verhalten zuversichtlich.

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