Geschichte im Zeichen des Storches

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MENGEN - Die Schwäbische Celluloidwarenfabrik August Haidorfer Mengen würde in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag feiern. Anlässlich dieses Jubiläums hat der Arbeitskreis Heimatgeschichte eine Ausstellung Im Heimatmuseum organisiert. Sie wird im Rahmen des 1. Mengener Altstadtfestes am Samstag um 10 Uhr eröffnet.

von unserer Mitarbeiterin Anika Küster

Im Jahre 1913 fasste August Haidorfer den Entschluss den damals neuen Kunststoff Zelluloid zu verarbeiten. Zusammen mit seinen Brüdern produzierte er anfangs Toilettenartikel und Spielwaren. Schon ein Jahr später war die Produktion so erfolgreich, dass das Grundstück an der Karlstraße 8 erworben wurde um die Produktion erweitern zu können.

Mit Ausdauer und Zähigkeit schaffte Haidorfer es, seine in Qualität und Originalität ausgezeichneten Erzeugnisse auf einem hart umkämpften Markt zu etablieren. Während der Hochinflation von 1923 wurde ein großes mehrgeschossiges Fabrikationsgebäude geplant und in den darauf folgenden Jahren errichtet. Die von inzwischen etwa 160 Mitarbeitern hergestellten Produkte fanden zunehmend auch in Europa und in Übersee Abnehmer.

Im Jahre 1930 wurden die ersten Puppen produziert. Der aus Berlin stammende Modelleur Anton Karpf modellierte den ersten Puppenkopf nach dem Vorbild seiner kleinen Tochter Lotte. Die erste Puppe mit steifem Hals und aufgemalten Augen bekam den Namen "Helga". Das zweite Modell mit Namen "Gabi" hatte bereits einen drehbaren Kopf.

In der Blütezeit der Schwäbischen Celluloidwarenfabrik vor dem Zweiten Weltkrieg und in den 50er Jahren wurden Vertretungen in verschiedenen europäischen Ländern errichtet und beliefert und so konnte mit dem großen Wettbewerber "Schildkröt" mitgehalten werden.

Ende der 30er Jahre wurden bereits über 400 Mitarbeiter beschäftigt und somit wurde die Fabrik der größte Arbeitgeber der Stadt Mengen. Im Zweiten Weltkrieg konnten keine Produkte mehr exportiert werden und die Produktion wurde teilweise auf kriegswichtige Teile umgestellt, wie zum Beispiel Seifendosen und Gläser für Gasmasken. Da der Rohstoff Zelluloid nach dem Krieg knapp war, 0 wurde die Produktion vorübergehend auf Holzspielzeug umgestellt.

In den 50er Jahren wurde die Produktion der Zelluloid-Spielzeuge wieder verstärkt aufgenommen und die Produktpalette auf Rasseln, Beißringe, Roller, Sandspielformen und vieles mehr ausgeweitet.

Kurz vor dem Firmenjubiläum im Jahre 1963 verstarb der Firmengründer August Haidorfer. 1967 wurde die Massenproduktion von Puppen eingestellt. Von 1972 bis 1982 wurden Firma und Produktion von "Efka-Continua" übernommen, fünf Jahre später wurden die Gebäude abgebrochen, Maschinenhaus und Schornstein wurden 1992 niedergelegt. Damit sind alle baulichen Zeugen einer einstmals blühenden Firma beseitigt. Die gefertigten Puppen erfreuen sich aber als Zeugen der Zeit einer ständig wachsenden Beliebtheit und Wertschätzung.

Der Arbeitskreis Heimatgeschichte der Stadt Mengen hat in mühevoller Arbeit und dank vieler Leihgaben aus der Bevölkerung eine Ausstellung mit Puppen und Spielzeugen zusammengetragen. Auch einige Originalbaupläne sowie Fotos konnten beschafft werden.

Die Nachkommen des Firmengründers Haidorfer sind glücklich darüber, dass das Lebenswerk ihrer Familie gewürdigt wird und in diesem Rahmen der Bevölkerung näher gebracht werden kann.

Bei der Ausstellungseröffnung am Samstag werden auch Zeitzeugen vor Ort sein, die aus eigener Erfahrung von der Arbeit in der Fabrik erzählen können.

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