Der nette Nachbar von nebenan: So lebt Grönemeyer in London

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Es ist nicht immer toll, neben Herbert Grönemeyer (47) zu wohnen. „Einmal hat er eine Riesenparty gegeben und die Anlage bis vier Uhr morgens voll aufgedreht“, erinnert sich Barbara Hillebrand (30). „Da haben wir kein Auge zugetan. Wenigstens hat er nicht sich selbst aufgelegt.“ Sonst aber wissen seine Nachbarn nur Gutes zu berichten - wenn er ihnen überhaupt aufgefallen ist. Deutschlands wohl größter Popstar, der zurzeit auf seiner Tournee Triumphe feiert, lebt in London zurückgezogen und weitgehend unbekannt.

Als die gebürtige Essenerin Hillebrand in den Norden von London zog, hatte sie keine Ahnung, wer ihr Nachbar sein würde. Erst nach ein paar Wochen bot ihr ein pensionierter Architekt aus der Nachbarschaft an: „Ich kenne hier einen anderen Deutschen, der ist vielleicht einsam. Soll ich mal ein Treffen vermitteln? Der freut sich bestimmt, wenn er Landsleute trifft. Es ist Mr. Grönemeyer - ist wohl irgend so ein Sänger.“ Hillebrand winkte ab: „Ich hab' gesagt, dass der wahrscheinlich nicht so erpicht darauf ist, andere Deutsche kennen zu lernen.“

Immerhin grüßten sie sich bald - auf Englisch. Andere Nachbarn wissen zu berichten, dass Grönemeyer auch schon mal sein altes Auto im Parkverbot stehen lässt, gern mit seinen beiden Kindern im Eck- Café frühstückt und im überteuerten Supermarkt von gegenüber einkauft. Sein Haus ist rundherum von Gärten umgeben und liegt ganz versteckt hinter einer Häuserreihe. Nur über einen schmalen Pfad ist es zu erreichen. Kein Schild verrät, wer hier zu Hause ist.

Das Viertel, in dem er sich angesiedelt hat, ist eines der besseren - in seiner Straße wohnen auch die Ex-Frauen von Gene Kelly und von Sting. Fünf Autominuten weiter hat Paul McCartney seine Stadtwohnung. Dennoch ist es alles andere als eine Villengegend. Gleich um die Ecke beginnt sozialer Wohnungsbau. Es ist wohl wirklich so, wie Grönemeyer in einer Talk-Show versicherte: „Ich führe da in London ein ganz normales Leben.“

Galas oder Partys meidet er. Oft wird er auch gar nicht eingeladen - denn nur Insider kennen ihn. Ab und zu lässt er sich mal bei einer Musical-Premiere sehen. Auch sein Erfolgsalbum „Mensch“ hat er in London aufgenommen. Seltsam ist, dass er die Stadt eigentlich schon vor Jahren verlassen wollte: „Es fällt mir schwer, hier Wurzeln zu schlagen“, sagte er 1999 nach dem Tod seiner Frau. Dennoch hat er den Absprung immer wieder verschoben und jetzt das Gefühl, dass er endlich beginnt, „Freundschaft mit dieser Stadt zu schließen“. Um die herbe, auch „harte“ und gar „psychotische“ Metropole schätzen zu lernen, müsse man sich Zeit nehmen. Dann werde man am Ende „entspannter“: „Obwohl die Bedingungen härter sind, beschweren sich die Menschen hier weniger. Engländer sind nicht so nörgelig wie Deutsche.“

Außerdem sichert die 7,5-Millionen-Metropole ihm eine Anonymität, die ihm sein Zweitwohnsitz Berlin niemals bieten kann. Nicht umsonst zieht London so viele Stars an. Selbst wenn die Leute ihn hier kennen würden, wäre es den meisten doch viel zu aufdringlich, um ein Autogramm zu bitten. Genauso wie es für die Leute, die in Grönemeyers Straße wohnen, undenkbar wäre, Details über seine Freundin auszuplaudern: „Das tut man doch wohl nicht unter Nachbarn.“

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