Champagner für die Sieger

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Gestern war der 8. Mai. Ein wichtiger Tag für Deutschland, für alle Deutschen. Auch hier in Isny ist der Tag der Kapitulation 1945 (auch wenn dieser hier am 29. April war) mit Erleichterung und Freude aufgenommen worden - trotz Besatzung und Unsicherheit. Ein Blick zurück mit freundlicher Hilfe des Stadtarchivs.

Anfang 1945 kündigte sich auch in Isny die Katastrophe des verlorenen Krieges an. Die Stadt musste immer mehr Evakuierte aufnehmen, in fast allen Familien wurden Flüchtlinge aus den Großstädten einquartiert. Die Lebensmittel wurden zunehmend knapp: "Die Leute müssen oft nach den Sachen rennen, weil hier über 200 Evakuierte sind und Isny selbst hat nur 3200 Einwohner. Die Läden sind immer sehr voll", so der "Dornier-Legionär aus der Schneewüste Isny" am 6. Januar 1945 und weiter am 30. Januar: "Bei uns hier wird es jetzt auch immer weniger."

Im Januar 1945 gab es Kälteferien. Die Detonationswellen der großen Angriffe auf Friedrichshafen und Ulm waren auch in Isny zu spüren. Am 2. April 1945 fielen dann die ersten Bomben auf Isny; mehrere Häuser in der Altstadt und in der Bahnhofstraße wurden beschädigt, einige davon schwer.

Am 29. April war es dann so weit: Mit der kampflosen Übergabe der Stadt an die Franzosen war der Weltkrieg für Isny beendet. Einen Tag zuvor hatte Bürgermeister Ernst Münzing "maßgebliche Männer der Stadt" zu einer Besprechung ins Rathaus gebeten. Ein SS-Offizier forderte, Isny bis zuletzt zu verteidigen. Wilhelm Springer protestierte im Namen der Bevölkerung. Abends verlangte eine Gruppe von Bürgern von Ernst Münzing, die Panzersperren am Wassertor, beim Friedhof und bei der Linde am Obertor zu entfernen. Noch in der Nacht bauten einige Bürger die Panzersperren selbst ab - der SS-Trupp zog ab. Am 29. April schließlich fuhr Münzing der französischen Truppe entgegen und übergab die Stadt in der Trauchburger Straße. Nachmittags um 18 Uhr rollten französische Panzer in Isny ein.

Die Zerstörung der Stadt war damit glücklicherweise verhindert. Aber die schwerste Zeit sollte für Isny erst kommen: 2200 Evakuierte bei einer Gesamteinwohnerzahl von etwas mehr als 5000 genossen in Isny Gastrecht. Die Lebensmittelversorgung war über viele Wochen gefährdet. Der nächste Winter stand schon vor der Tür und weder Holz noch Torf waren ausreichend zur Verfügung.

Die französischen Besatzungstruppen führten ein strenges Regiment und zogen einen großen Teil der Güter für ihren eigenen Bedarf ein. Eines aber hatten Deutsche und Franzosen gemeinsam: der 8. Mai wurde von beiden gefeiert. Champagner aber tranken nur die Besatzer.

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