Spannendstes «Boat Race» aller Zeiten

Lesedauer: 4 Min

Englands Zeitungen überschlugen sich bei den Schlagzeilen zum 149. „Boat Race“ zwischen den Achtern der Universitäten Oxford und Cambridge. Für den „Independent“ war es ein „Titanischer Kampf“ um den knappsten Ausgang in der Geschichte des 1829 erstmals ausgetragenen Rennens.

Für den „Daily Telegraph“ war „Oxfords epischer Sieg knapper als das tote Rennen“, womit das Blatt auf den Wettstreit von 1877 anspielte, als es laut Rennurteil keinen Sieger gab. „Oxford hatte in den Zeiten vor den Präzisionsinstrumenten immer behauptet, dass es mit fünf Fuß Vorsprung gewonnen hatte“, schrieb der „Telegraph“ weiter, der zudem überzeugt ist, dass es „nie wieder ein besseres Rennen geben wird“.

Selbst Sir Steve Redgrave flippte als Ehrengast bei der Siegerehrung aus. „Erinnert Euch immer an dieses Rennen, es wird das Beste sein, das wir je zu Lebzeiten erleben werden. Seid nicht gierig, erwartet kein solches Rennen nächstes Jahr. Es wird nicht geschehen, es wird nie wieder geschehen“, sagte der fünffache Goldmedaillengewinner auf dem Siegerpodest, bevor er den Pokal an die Oxford-Crew übergab. Redgrave war dabei vor lauter Aufregung über das spannende Rennen „so sehr in Atemnot, dass man beinahe glaubte, er hätte selber teilgenommen“, schrieb der „Guardian.“

Für das angesehene Blatt hatte Oxford nach einem „4 1/4 Meilen andauernden Drama gegen Cambridge mit einem Fuß Vorsprung gewonnen.“ Dabei wünschte sich Tim Wooge, dass das Rennen etwas länger gedauert hätte. „Wäre die Strecke zehn Meter länger gewesen, hätten wir vielleicht Oxford noch abfangen können“, sagte der erste deutsche „President“ (Kapitän) des Cambridge-Bootes, der dem Sieger aber doch Tribut zollte: „Hut ab vor Oxford.“

Für ihn und seine Crew hatte das Drama aber schon früher begonnen. Beim Auswärmen für den letzten Starttest war das Boot der „Light Blues“ mit dem Startboot des Hafenmeisters kollidiert. Resultat: Drei Ruder zersplittert, der Bug demoliert, der Kanadier Wayne Pommen mit Bänderverletzung am Handgelenk ausgeschieden. Für Matthias Kleinz, den zweiten Deutsche neben Wooge im Boot, endete das Missgeschick mit einer Beule am Kopf.

Wooge spielte das jedoch herunter. „Der Freitag war interessant. Wir waren durch alle möglichen Szenarien für das Rennen gegangen, aber das hatten wir nicht eingeplant. Aber ich glaube, wir sind ziemlich gut mit der Situation fertig geworden“, erklärte der 30-jährige Mülheimer - „mit meisterlicher Untertreibung“, wie die „Times“ befand.

Kommentare werden geladen