Michalczewski nach K.o.-Sieg auf Rekordkurs

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Konditionswunder Dariusz Michalczewski braucht offenbar sein Quantum Prügel, um im Boxring Betriebstemperatur zu erreichen. Nach seiner 23. erfolgreichen Titelverteidigung in Hamburg gegen den Amerikaner Derrick Harmon sah der 34 Jahre alte Weltmeister im Halbschwergewicht wieder mal arg ramponiert aus: Augen, Nase und Jochbein-Partien geschwollen und in allen Farben schillernd, die linke Braue aufgeplatzt.

„Er hat gewonnen, aber ich sehe besser aus“, befand Herausforderer Harmon. In der neunten Runde des erbitterten Schlagabtausches war der 33-jährige Amerikaner gegen den unaufhaltsam anstürmenden Champion der World Boxing Organization (WBO) k.o. gegangen. In seinen 26 Profi-Kämpfen zuvor war Harmon das noch nie passiert.

Der „Tiger“, der schon nach seinem vorangegangenen siegreichen Auftritt vor fünf Monaten gegen Richard Hall (USA) übel zugerichtet worden war, sieht die zwei Millionen Euro Gage als wohlverdientes Schmerzensgeld an. Zudem hat er den Weltrekord des am längsten ungeschlagenen Profi-Boxers nun dicht vor Augen. 48 Siege zieren die eindrucksvolle Kampfbilanz des Deutsch-Polen. Bei 49 Erfolgen steht die Weltbestmarke des früheren Schwergewichts-Champions Rocky Marciano (USA).

„Das war ein hartes Stück Arbeit. Ich war ziemlich verkrampft, die Linke kam nicht“, stöhnte Michalczewski, der von 15 000 Zuschauern in der ausverkauften Color-Line-Arena lautstark gefeiert wurde und mit 6,83 Millionen Zuschauern an den Fernsehschirmen (32,2 Prozent Marktanteil) seine bisher beste Quote erreichte. Auch Trainer Fritz Sdunek war nicht zufrieden. „Heute ist vieles daneben gegangen. Deckungsverhalten 5. Dariusz hat sich warm schlagen lassen“, grollte der Coach.

Weil der äußerst bewegliche und geschmeidige Harmon stets mit dem Oberkörper abtauchte, schlug Michalczewski reihenweise Luftlöcher. „Das hat Dariusz genervt. Da wurde er fest“, urteilte Sdunek, dessen Schützling mit leichtem Fieber in den Ring gestiegen war. Tags darauf musste er mit einer Temperatur von 39 Grad das Bett hüten und alle Termine absagen.

Nach den ersten fünf Runden lag der Amerikaner nach Punkten vorn. Permanent wurde der „Tiger“ von den Schlägen seines Rivalen durchgerüttelt, marschierte aber scheinbar unbeeindruckt nach vorn und setzte Harmon konsequent unter Druck. Während bei anderen die Kraftreserven mit zunehmender Kampfdauer schwinden, scheint Michalczewski zur Halbzeit eines Duells den Turbo zuzuschalten. „Dariusz ist wie ein Bulle, er zermalmt dich mit seiner Kraft“, meinte Harmon, der am Vorabend bei einer radikalen 4,5-stündigen Schwitzkur 2,7 kg Übergewicht abtrainieren musste. „Dass ich schwere Beine bekam, liegt vielleicht auch am Gewichtsverlust.“

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