Röhl darf Fischer-Fotos nicht mehr verbreiten

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Frankfurt/Main (dpa) - Im Streit um die Veröffentlichung von Fotos, die Joschka Fischer in den 70er Jahren als Straßenkämpfer in Frankfurt zeigen, hat der Fotograf Lutz Kleinhans eine einstweilige Verfügung gegen die Journalistin Bettina Röhl erwirkt.

Die dritte Zivilkammer des Landgerichts Frankfurt untersagte der Tochter der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof am Mittwoch, die Fotos des früheren FAZ-Fotografen ohne dessen Zustimmung zu verbreiten. Dies teilte ein Gerichtssprecher der dpa auf Anfrage mit. Bei einem Verstoß drohe ihr ein Ordnungsgeld bis zu 500 000 Mark oder Ordnungshaft. Röhl kann gegen die Verfügung Widerspruch einlegen.

Röhl hatte die Fotos zum Teil dem Nachrichtenmagazin „Stern“ und der „Bild“-Zeitung verkauft und zudem ins Internet gestellt. Die Urheber- und Nutzungsrechte der Bilder liegen bei Kleinhans und der FAZ, deren Fotograf er von 1959 bis 1994 war. Nach einem Bericht der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ vom Mittwoch hatte der Fotograf Röhl die Aufnahmen gegen eine Archivgebühr lediglich überlassen, damit sie in einem von ihr geplanten Buch erscheinen können. Röhl habe die Bilder aber „zu horrenden Preisen“ der Presse angeboten, schrieb die FAZ unter Berufung auf die Chefredakteure von „Stern“ und „Bild“- Zeitung.

Bettina Röhl ist die Tochter der Mitbegründerin der Rote-Armee- Fraktion (RAF) Ulrike Meinhof und des früheren „Konkret“- Chefredakteurs Klaus Rainer Röhl. Seit geraumer Zeit recherchiert die freie Journalistin im „Fall Fischer“ und will im Frühjahr ein Buch veröffentlichen. Auf ihrer Homepage schildert Röhl Fischers „Schlacht“ und zeigt die Bilder, die Fischer als auf einen Polizisten einprügelnden Demonstranten zeigen sollen. Durch die Veröffentlichung der Demonstrationsfotos war die aktuelle Debatte um die Vergangenheit des Bundesaußenministers ausgelöst worden.

Am Dienstag hatte Röhl den Fotografen Kleinhans angezeigt, weil sie sich von ihm verleumdet fühlt. „Obwohl ich einen Lizenzvertrag mit Herrn Kleinhans abgeschlossen habe, verbreitet dieser in einer regelrechten Pressekampagne gegen mich die Behauptung, ich hätte Fotos von ihm ohne vertragliche Berechtigung an 'Stern' und 'Bild' verkauft“, heißt es in dem Fax an die Staatsanwaltschaft Frankfurt, das am Dienstag der dpa in Berlin vorlag. Nach Information der FAZ erwägt Kleinhans seinerseits eine Strafanzeige. Der Fotograf war am Mittwoch nicht für weitere Erläuterungen zu erreichen.

Auch mit der ARD war es zu einer Diskussion über die Veröffentlichung von TV-Bildern, die den früheren Straßenkämpfer Fischer zeigen, gekommen. Röhl hatte die Filmaufnahmen in archiviertem Originalmaterial der „Tagesschau“ entdeckt und ausgeliehen. Die aktuelle Ausstrahlung der Bilder durch die ARD hatte sie dann jedoch an Bedingungen geknüpft. Ein Sprecher des NDR bestätigte am Montag, dass Röhl die von ihr aus dem Rundfunkarchiv entliehenen Bänder inzwischen zurückgegeben habe. dpa as yyhe tm bt

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