Dr. Christof Eichert erholt sich vom OB-Stress

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ISNY - Genug von seinem Job als Oberbürgermeister hat Dr. Christof Eichert. Der Noch-Stadtchef von Ludwigsburg erholt sich derzeit auf Gran Canaria - er fährt dort zusammen mit Freunden und Bekannten aus Isny Fahrrad.

Von unserem Redakteur Bernd Guido Weber

Dr. Christof Eichert war vom 5. September 1985 bis 15. September 1991 Bürgermeister der Stadt Isny. Dann ging er überraschend ins Innenministerium nach Dresden, blieb aber auch dort nicht lange, sondern wirkte von 1992 bis 1995 als Kultur- und Verwaltungsbürgermeister in Reutlingen. 1996 wurde er Präsident des Deutschen Bibliothekenverbands. Anschließend wählten ihn die Ludwigsburger zum Oberbürgermeister der Barockstadt.

Jetzt gibt der Langstreckenläufer und passionierte Radler in Ludwigsburg auf - nach der ersten Runde, ohne Vorwarnung. Eichert, 49, wechselt als einer von fünf Geschäftsführern zur Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh, zuständig dort für Kultur- und Bildungsprojekte. Er wolle sich beruflich noch einmal neu orientieren und neue Herausforderungen annehmen. Trockener Kommentar des dortigen FWV-Fraktionschef: "Das ist für alle Be teiligten das Beste." Auf der letzten Bürgerversammlung hatte die überraschende Entscheidung Eicherts keine Rolle gespielt- als würde es die Ludwigsburger gar nicht interessieren. Dabei war es ein verlorener Bürgerentscheid, der den von Journalistenkollegen als ebenso ehrgeizig und forsch wie dünnhäutig geschilderten Eichert den Abschied zumindest erleichert hat.

Eine ganze Reihe von Erfolgen hat Eichert vorzuweisen, muss seine Ludwigsburger Bilanz keineswegs verstecken. Genannt werden die Weiterentwicklung des Medienstandortes Ludwigsburg , Sanierungsmaßnahmen im Industrieviertel, Sanierungen in den Stadtteilen, das dynamische Parkleitsystem, Ausbau des Kunstzentrums Karlskaserne, Lösung der Finanzprobleme bei Schloßschauspielen und Scala live, Verwaltungsreformen im Rathaus und einiges mehr. Nicht zuwege gebracht hat er den Ausbau der Citymeile, welche seiner Meinung nach die City aufwerten würde - was die Bürgerinnen und Bürger, für ihn unverständlich, ganz anders sahen. Seitdem hat er im Gemeinderat eine Mehrheit gegen sich. Keine optimale Basis für eine zweite Amtszeit, zumal es laut der Ludwigsburger Tageszeitung auch einige verunglückte Aktionen gegeben habe. "Wenn es kritisch wurde, hat Eichert selten ein Fettnäpfchen ausgelassen."

Die ebenfalls nicht allzu lange Ära Eicherts als Isnyer Bürgermeister wird im nachhinein immer noch gespalten beurteilt. Böse Zungen behaupten, er habe den Job in Isny nur dazu benutzt, um seine Dissertation zu schreiben (Thema: "Rechtsfragen der Nichtsesshaften") und seinen Rücken operieren zu lassen. Nach seiner Promotion zum Doktor habe er keinen Finger für die Nichtsesshaften gerührt.

Andere erinnern sich an ihn als einen forschen Bürgermeister, der zudem als guter und auch witziger Redner glänzte. Tatsache ist, dass Isny unter Dr. Eichert den Einstieg in die Stadt-Sanierung schaffte. Zudem wurden die Weichen für die stadtnahe Entlastungsachse gestellt. Der -nicht unumstrittene - Bau des Kurhauses war wohl das wichtigste Projekt seiner Amtszeit. Es kostete immerhin 11,6 Millionen Mark und bildet heute ganz selbstverständlich den Mittelpunkt des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens, mit frisch sanierter Leimbinder-Dachkonstruktion.

Freunde hat er in dieser Zeit ebenfalls gewonnen. Siehe der jetzige Radfahr-Urlaub auf Gran Canaria. Vielleicht ergeben sich daraus ja Kontakte zur üppig ausgestatteten Bertelsmann-Stiftung. Ein Seminar für kulturelle Führungskräfte im Kurhaus etwa. Mit anschließendem Mountainbiken. Attraktive Strecken gibt es nach der Schneeschmelze ja auch hier.

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