Verena Veh - Große Mädchen lamentieren nicht

Lesedauer: 5 Min

ULM --"Große Mädchen weinen nicht", heißt ein Kinofilm. Große Mädchen lamentieren auch nicht, wie Verena Veh, 1,94 Meter große Mittelblockerin des Volleyball-Bundesligisten SSV Ulm Aliud Pharma, zeigte. Beim 3:0 (27:25, 25:13, 25:20) gegen den Schweriner SC war sie nicht nur wegen ihrer Größe überragend.

Von unserem Redakteur Jürgen T. Widmer

Manchmal schien es in dieser Saison, als sei Veh im falschen Film: Erst verlor sie ihren Stammplatz in der ersten Sechs an Tereza Stribrna. Dann hatte sie sich wieder rangekämpft, stand in Augsburg in der Anfangs-Sechs und musste wieder runter, weil es nicht lief.

Gegen Schwerin dann genau die umgekehrte Situation. Veh wieder draußen, das Team auf dem Feld zunächst pomadig. Beim Stand von 5:9 brachte Trainer Mathias Eichinger Veh für die grippekranke Stribrna - ein Spiel entscheidender Wechsel. "Verena war heute unsere wichtigste Spielerin", so der Coach hinterher.

Die wichtigste Spielerin wollte sich selbst gar nicht so wichtig nehmen: "Schön fur uns, dass wir Schwerin 3:0 geschlagen haben", dachte sie zunächst ans ganze Team. Erst auf Nachfrage nahm sie zu ihrer eigenen Leistung Stellung: "Ich denke schon, dass es gut für mich gelaufen ist." Ein Blick auf die Statistik bestätigt dies. Acht direkte Punkte steuerte sie bei, drei davon mit Aufschlägen.

Die Punkte sind das Eine, doch noch wichtiger war die enorme Arbeit, die sie für das Team verrichtete. Im ersten Satz, der nach einem 16:21-Rückstand bereits verloren schien, war es Veh, die für die Wende sorgte. "Sie hat heute die wichtigen Punkte gemacht", lobte Eichinger.

Er selbst hatte diesen ersten Satz bereits verloren gegeben. "Ich habe dem Team gesagt, wir wollen noch ins Spiel kommen", so der Coach. Dies gelang besser als gedacht. Doch auch Veh fragte sich, warum der SSV 46 in dieser Saison Startschwierigkeiten hat. "Die ersten zehn Bälle hatten wir wieder riesige Probleme", so die Mittelblockerin, die ihre Kontrahentin Stribrna in Schutz nahm: "Da sieht man leicht nicht toll aus, wenn es beim gesamten Team nicht läuft."

In den Sätzen zwei und drei lief es dann. Da war es leichter gut auszusehen. Auch in vollkommen ungewohnten Disziplinen. So gelangen Elles Lefrink insgesamt fünf Blockpunkte. "Die Statistik muss ich mir einrahmen", kommentierte sie diesen Umstand. Dafür hatte sie bei Angriff und Aufschlag nur einen durchschnittlichen Tag. Beim Aufschlag sprang Saara Loikkanen in die Bresche. Mit ihren Sprungaufschlägen sorgte sie für vollkommene Verwirrung bei den Schwerinerinnen. Die Finnin gab sich nach der Partie selbstkritisch: "Ich habe dafür nicht gut geblockt", gab sie zu Protokoll.

Nathalie Dambendzet, wieder einmal "Miss Zuverlässig" beim SSV 46, beendete die Diskussionen dann: "Wir haben gewonnen, das ist wichtig." Eichinger freute sich, dass "bei Schwerin der Nimbus der Unbesiegbarkeit weg ist." Und Veh? Sie dachte schon mal an die kommenden Aufgaben: "Jetzt muss ich meine Leistung von heute in Dresden bestätigen", sagte sie. Große Mädchen behalten halt meist auch die Übersicht. Und das nicht nur im Kino.

Kommentare werden geladen