Das romantische Ulm in Gedichten und filigranen Bildern

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Seit Donnerstag zeigt im Parksanatorium die Ulmer Malerin Martina H. Blickle Stadtansichten aus ihrer Heimat, aber auch von Venedig, der Toscana und aus dem weiteren Mittelmeerraum. Die Ausstellung läuft noch bis 14. November.

Die Aulendorferin Eva Roth (Klavier) und die Ulmer Geigerin Ebinghaus hatten sich um diese Ausstellung bemüht und die begeisterten Kunstfreunde waren ihnen für die Vermittlung solcher Bilder von Herzen dankbar. Chefarzt Dr. Schiefer empfand die Begleitung einfühlsamer Hausmusik zu dieser Gelegenheit besonders beglückend. Eva Roth begleitete die Eröffnung mit Kammermusik von Mozart und Haydn. Überraschend entpuppte sich die Malerin auch als begabte Lyrikerin, die ihre Stadt mit Versen wie diesem beschreibt:

Meine Stadt hat

Verlustinseln

Erinnerungshöfe

Verbindungsbrücken

aber auch

Aufriss-Stellen wo

zu Grabe gelegtes

der Ruhe beraubt wird

meine Stadt hat

selten noch

wir-Wege...

meine Stadt hat

Ausfallstraßen ins Freie

aber keine aus der

Verwundbarkeit.

Doch nun zu ihren Bildern aus Alt-Ulm, von dem zum Glück doch einiges Wichtiges, weil Charakteristisches, Stimmungsbildendes übrig geblieben ist: der Münsterplatz und das Münster selbst, das sie mit feinsten Strichen in unglaublicher Präzision und Sorgfalt zeichnerisch festhält. Auch die berühmten Gassen wie Herrenkeller-, Fischer- und Kohlgasse und die Häuslesbrücke erfahren diese streichelnde Du-und-Du-Behandlung.

Ihr Stil ist zweifellos naiv, aber nicht primitiv, sondern dem Herzen nahe gehend. Und vor allem mag sie das alte Ulm im Winter, weil man sofort in eine vorweihnachtliche Stimmung versetzt wird: Die Menschen auf ihren Bildern scheinen alle entweder auf einem Adventsspaziergang oder bei Einkäufen zum Christfest zu sein. Man begleitet sie über die Plätze und durch die Gassen und man freut sich mit ihnen auf das knisternde Feuer im Kachelofen daheim.

Voll ungläubiger Bewunderung betrachtet man die Details an ihren Aquarellen; befestigte Ufer, Stein für Stein liebevoll ausgeführt, oder Dächer, wo jeder Ziegel zu sehen ist (Metzgerturm), oder sogar Pflastersteine über ganze Plätze, und man stört sich nicht daran - es ist wie eine Art filigraner Goldschmiedearbeit.

Nicht verwunderlich ist es, dass Martina Helga Blickle auch an anderen malerischen Städten "automatisch" hängen geblieben ist: an Venedig mit seinen Kanalpartien, an deren Balkonen und Erkern, oder an Salzburg, auch im Schnee, die Burg verschwindend in der Winterdämmerung. Schön, solche Bilder betrachten zu dürfen, die teils fast kindhaft und doch so kunstvoll sind.

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