Munteres Zwiegespräch

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ROTTWEIL - Überaus spannend gestalteten Wolfgang Stryi (Saxophon) und Münsterorganist Peter Strasser das sechste Sommerkonzert: Mit sieben aparten Werken aus drei Jahrhunderten schlugen sie am Sonntagabend die zahlreichen Zuhörer in ihren Bann.

Von unserer Mitarbeiterin Cornelia Addicks

Eine Bach-Sonate mit einem Instrument spielen, das erst hundert Jahre nach dem Tod des Komponisten erfunden wurde? Kein Problem für Stryi, der im Allegro der "Sonate in g-moll" sein Instrument in einen lebhaften Dialog mit der Oberstimme der Orgel treten lässt. Sonor schmiegt sich das Saxophon an die Orgelklänge im bedächtigen Adagio, um im dritten Satz in den höchsten Tönen zu jubilieren.

Perfekt interpretiert Strasser den "Choral Nr. 3 in a-moll", den César Franck 1890, kurz vor seinem Tod, komponierte: Stürmisch und aufwühlend der Anfang, dann glaubt man zögernde Schritte ins Ungewisse zu hören, da flackert die Oberstimme wie Irrlichter, gespenstische Töne erklingen. Ein simples Motiv wirkt wie ein Lied, das ein ängstliches Kind singt, um sich Mut zu machen. Dieser Trost wird jedoch im Schlussteil von einem dramatischen Klanggewitter ausgelöscht.

Ein jäher Stimmungswechsel und ein Jahrhundert-Zeitsprung führt zu der "Canzona rhythmica" des zeitgenössischen Komponisten Friedemann Graef, der dem Sopransaxophon durchaus jazzige Elemente zugesteht. Strasser und Stryi in einem munteren Zwiegespräch voller unerwarteter Ton-Jonglage.

Für die "Sequenza VII b" von Luciano Berio verlässt Stryi die Orgelempore und tritt vor die Zuhörer, die fasziniert den Eskapaden des Saxophons folgen. Berio, gefeierter Entdecker neuer Klänge, schrieb dieses Stück eigentlich für eine Oboe, doch auch die Sax-Bearbeitung lässt aufhorchen: Zu dem Dauerton H der Orgel heult und schnurrt das Messinginstrument, hustet, röhrt, trompetet wie ein Elefant kichert und zwitschert. Der in Rottweil geborene Saxophonist, Mitglied des Frankfurter "Ensemble Modern", führt dieses ungewöhnliche Solostück zum ersten Mal in einer Kirche auf.

Nach einem kurzen Orgelsolo (Te deum von Jean Langlais) intoniert Stryi die "Oraisons" von Henri Sauguet, mit drei Saxophonen verschiedener Stimmlagen, mal ruhig und gelassen vor zurückhaltendem Orgelhintergrund, dann wieder eindringlich, fast flehend, um später im Brustton des Glaubens melodisch zu lobpreisen.

Als Abschluss des Konzerts lässt Stryi die Erfindung des 1814 geborenen Instrumentenbauers Adolphe Sax auf die zarte Musik des Venezianers Tommaso Albinoni treffen. Aus dem Adagio für Altsaxophon und Orgel glüht eine warme Sommersonne, von der die Zuschauer unbedingt noch eine Zugabe haben möchten.

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