Karriere mit märchenhaften Zügen

Lesedauer: 7 Min

RAVENSBURG - Wo soll man anfangen bei dieser Frau? Bei ihrer ungeschminkt natürlichen Ausstrahlung? Bei ihrem Lebenslauf? Ihren zahlreichen Begabungen? Ihrer Vielseitigkeit? In Ravensburg weiß man recht wenig von der bruchlos glänzenden Karriere der Sängerin Manuela Uhl, die fast ein paar märchenhafte Züge aufweist. Und doch so handfest ist, wie sie selbst mädchenhaft und zielbewusst zugleich wirkt. unverfälschte Naturbegabung

Von Dorothee L. Schaefer

Das Nötige in Stichworten: 1966 in Ravensburg geboren als einziges Kind von zugezogenen Eltern. Der Vater ein begabter Klarinettist. Schule und Abitur am Gymnasium St. Konrad. Als Kind im Krippenspiel gesungen, enttäuschenderweise aber nicht die Maria. Mit zehn Jahren schenkten ihr Verwandte eine Platte mit Auszügen aus „La Traviata'. Dies wurde zu einer „idée fixe', dem Wunsch, eine große Opernsängerin zu werden.

Und das ist sie nun. Die Kritikerinstanzen der F.A.Z. und der ZEIT ergingen sich in Lobeshymnen. Sie hat es also geschafft. Ihr Repertoire ist riesig, reicht vom lyrischen und dramatischen Koloratursopran bis zum jugendlich-dramatischen Sopran. Ihre Stimme bleibt dabei geschmeidig bis in die höchsten Höhen. Sie verkörpert die Kindfrau "Daphne" ebenso wie Janaçeks "Schlaues Füchslein", Mozarts „Pamina' genauso wie die "Danae" von Richard Strauss. "Schauspielunterricht habe ich nie genommen" sagt sie zu ihrer Wandlungsfähigkeit.

Nun wagt sie sich an noch schwereres Repertoire. Neben Richard Strauß auch Wagner. Gerade hat sie die "Gutrune" gesungen, obwohl ihr dieses Fach noch fremd sei bisher. "Ich mag keine stimmlichen Risiken" erklärt sie ihre Vorsicht bei der Auswahl der Rollen. Dafür besitzt sie offenbar ein untrügliches Gefühl. Ebenso wohl seit frühester Zeit eine realitätsbewusste Einschätzung des eigenen Könnens, wozu ihr sicher auch ein liebevolles Elternhaus verholfen hat. Sie wirkt wie ein Mensch, der so schnell vor nichts Angst hat.

Nach dem Abitur ging sie nach Salzburg - das „Mozarteum' hatte einen sehr guten Ruf - und absolvierte dort das vierjährige Grundstudium. "Prinzipiell stehe ich dem gängigen Gesangsstudium bei uns kritisch gegenüber" sagt sie heute über diese Zeit. "Zu viel Theorie, zu wenig Praxis". Das Studium finanzierten die Eltern. Sie verdiente sich mit Auftritten bei Oratorien was dazu.

Aber Manuela Uhl wollte noch mehr und ganz anderes: Mit 23 Jahren schrieb sie sich an der FH Konstanz für Architektur ein. Warum ausgerechnet das? "Zur Absicherung. Ob´s mit dem Singen was wird, weiß man ja nie". Und "weil gute Architektur ähnliche Strukturen hat wie eine musikalische Komposition" erklärt sie entwaffnend klug. Gleichzeitig belegte sie in Zürich Irvin Gages Liedklasse. Ein Jahrespraktikum brachte sie nach Freiburg ins Architekturbüro Roser. In Freiburg traf sie auch ihre wichtigste Lehrerin, Annette Robbert. "Die hatte zwar keinen Professorentitel, aber stand am Freiburger Theater auf der Bühne. Von ihr habe ich viel gelernt."

So liefen zwei Berufsstränge nebeneinander her und mitten da hinein fiel der Start der Karriere. Nach dem Vorsingen an der Freiburger Oper erhielt sie einen Stückvertrag, zu dem sie das Architekturbüro frei stellte. In Freiburg wurden Agenten auf die junge Sängerin aufmerksam. Die Staatsoper Karlsruhe bot ihr einen Vertrag an. Fünf Jahre sang sie hier große und kleine Partien und konnte mit bedeutenden Dirigenten und Regisseuren wie Christine Mielitz oder Michael Hampe arbeiten. Nebenher sang sie Konzerte, trat in Rundfunk und Fernsehen und bei vielen Festivals auf - von Indien bis Belfast.

Als der Vertrag für Karlsruhe kam, meldete sich unerwartet der erste Nachwuchs an. "Der kleine Wicht hat unser Leben ganz schön auf den Kopf gestellt" meint sie lächelnd zu dieser Zeit vor sieben Jahren. Nicht jeder Dirigent sei bereit, sich auf eine "singende Mutter" einzulassen, nicht jeder Intendant habe dafür Verständnis. Vor vier Jahren kam noch ein Sohn auf die Welt. Mit Mann und Kindern ging's zu Gastspielen nach Berlin, Hamburg, Köln oder zu den Händelfestspielen nach Halle. "Ich hätte noch lange in Karlsruhe bleiben können, aber irgendwie wollten wir mit den Kindern ans Wasser: Und am Bodensee gibt es ja kein Opernhaus !" So kam der Weg zur Kieler Bühne. Da war ein zwar nicht so großes, aber sehr gutes Opernhaus, ein Heim im Grünen mit Wasser in der Nähe und für die Familie und das Segelboot "Nine" ein Refugium.

In Kiel hat sie mit der konzilianten Operndirektorin - die selbst Mutter ist - einen familienfreundlichen Vertrag ausgehandelt. Und zeigt damit, dass es möglich ist, berufliche Karriere und private Lebenspläne zusammen zu bringen. Neue Rollen lernt sie in all dem Trubel zwischendrin: "Das kann ich auch, wenn mir die Jungs auf dem Kopf rumturnen" sagt sie mit der Gelassenheit einer fröhlichen Mutter, die derzeit ihren dritten Sohn erwartet.

Kommentare werden geladen