Über das Rasenkreuz will kein Gras wachsen

Lesedauer: 7 Min

ARGENBÜHL-MEGGEN - Ein mysteriöser Ort lockt seit nunmehr 30 Jahren Gläubige nach Argenbühl. Zum Jubiläum wird am heutigen Donnerstag am Meggener Rasenkreuz Rosenkranz gebetet.

Von unserem Redakteur Uli Deschler

In Meggen gibt es eine Bushaltestelle. Dort fährt man rechts, falls man aus Richtung Dettishofen abgezweigt ist. Nach ein paar 100 Metern weist ein Schild "Zum hl. Kreuz" in ein Wiesengelände hinein. Man folgt einem schmalen, mit Steinplatten ausgelegten Fußpfad und hat das Ziel schon von weitem vor Augen: Eine Baumgruppe und einen überdachten Wetterschutz aus Holz. Ursprünglich genehmigt als landwirtschaftliches Gebäude, beherbergt der nach einer Seite offene Bau eine Reihe von Bierbänken, Schulmöbeln und Plastikstühlen. Geweihte Kerzen stehen bereit, des weiteren Faltblätter, Heiligenbildchen und zwei kleine Spendenkässchen.

"Danke dem hl. Rasenkreuz"

An den Wänden angebracht sind fromme Bilder und Votivtafeln. "Am Rasenkreuz wurde uns Hilfe zuteil", steht auf einem Schild, "Das hl. Herz Jesu u. der Hochw. Segenspfarrer Hieber u. das hl. Rasenkreuz in Meggen bei Merazhofen haben geholfen" verkündet ein anderes. "Danke dem hl. Rasenkreuz für Hilfe in großer Not" ist auf einer weiteren der Tafeln nachzulesen.

Die als wunderkräftig gepriesene Stelle findet man gleich neben der Gebets-Überdachung. Grob geschätzt über 1,60 breit und 3,50 Meter lang ist die schmale kreuzförmige Vertiefung auf der Wiese. Genauer unter die Lupe nehmen lässt sich die Stelle nicht. Ein Eisengitter rundherum und darum herum nochmals ein Maschendrahtzaun sollen die Stelle schützen - vor was auch immer. "Einzelne Rohlinge", so heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Meggener Gläubigen-Kreis, hätten sich in der Vergangenheit immer wieder am Rasenkreuz zu schaffen gemacht. Vielleicht nicht nur sie.

Scherzbold am Werk?

Dass das Kreuz seine Existenz keinem göttlichen Wunder verdankt, sondern dem Schaffensdrang eines Scherzboldes, diese Vermutung hat nämlich bereits vor 30 Jahren die Runde gemacht. Die Meggener Kreuz-Gläubigen verbreiten, dass Bodenproben der Uni Hohenheim damals keine Befunde erbracht hätten. Der "Landesüberblick" der Schwäbischen Zeitung berichtete im Oktober 1972 von einer punktuell entnommenen Bodenprobe aus dem Kreuzmuster, nach der das Erdreich an dieser Stelle überdüngt war. Deshalb habe dort nichts mehr wachsen können. Auftraggeber für die Probe war damals der zuständige Dekan.

Gestrige Anfragen bei der Diözese, bei der Uni Hohenheim und bei einem pensionierten Mitarbeiter der Uni brachten keine Erhellung ins Dämmerlicht. In Hohenheim versprach man aber im Archiv nachzuforschen.

Im Film "Daheim sterben die Leut'" gibt es eine Szenenfolge, die deutlich auf Meggen anspielt und wo der Pfarrer auf der Kanzel von Scharlatanerie spricht. Die Kirche hat sich bis heute aus der Meggen-Diskussion herausgehalten. Von der zuständigen Pfarrei Merazhofen aus gibt es denn auch keine offiziellen Verbindungen zu der Gebetsstätte.

Das hält aber eine offenbar recht stabile Gruppe von Gläubigen nicht aber, zum Meggener Rasenkreuz zu pilgern und dort zu beten. "Jeden Sonntag ist dort Rosenkranz", weiß man in Merazhofen, "und manchmal kommt im Bus auch ein Geistlicher mit". Aus dem Kreis der Rasenkreuz-Verehrer wird von monatlich 500 bis 600 Besuchern berichtet. Gläubige aus dem Bereich Tettnang / Friedrichshafen halten den Ort in Schuss, war weiter zu erfahren.

Pilgerbusse aus nah und fern fanden vor 30 Jahren den Weg nach Meggen. 1000 Besucher wurden an einem Sonntag gezählt. Gläubige und Neugierige wollten die Kreuzzeichnung bestaunen, die ein Bauernsohn am 19. Juli 1972 auf der heimischen Wiese entdeckt hatte. Ausbleibendes Wachstum inmitten der satten Weide hatte ein erdfarbenes Kreuzzeichen sichtbar werden lassen. Die Reaktionen auf die Erscheinung reichten laut einem damaligen SZ-Artikel "von überzeugter Verehrung über offenkundige Ratlosigheit bis zu unverblümtem Spott".

"Die Geschichte ist damals ganz an der Gemeinde vorbeigelaufen", erinnert sich Paul Mayer, seinerzeit Bürgermeister in Argenbühl. Er ist damals natürlich auch rausgefahren und hat sich die Stelle angeschaut. Außerdem hat er mit einem Kißlegger Tüftler um Meggen herum eine Runde im Auto gedreht. "Der Mann wollte nachweisen, dass Strahlen aus der Erde Ursache für das Kreuz sind", erzählt Mayer. Die eingesetzte Wünschelrute habe denn auch "wie wild geschlegelt".

"...gewisse Ressentiments"

Paul Mayers Meinung in Sachen Meggener Rasenkreuz ist zweigeteilt: "Ich selber habe da schon gewisse Ressentiments, aber wenn's jemand unbedingt glauben will soll er's eben".

Aus Anlass des 30-jährigen Jubiläums des Meggener Rasenkreuzes ist am heutigen Donnerstag um 19 Uhr vor Ort ein Rosenkranz angesetzt. Paul Mayer erinnert sich da noch an eine abgedruckte Rosenkranz-Einladung aus früheren Zeiten. Darin wird Meggen als Ort gepriesen, "wo man das 'Gegrüßet seist Du Maria' noch mit 'Weibern' betet".

Aufgeklärtere Katholiken ziehen die Bezeichnung "Frauen" vor und hätten mehrheitlich wohl auch wenig dagegen, wenn übers Meggener Rasenkreuz Gras gewachsen wäre. Das ist offenkundig nicht der Fall, aber die sichtlich nachgebesserte Stelle hat zwischenzeitlich doch immerhin einiges an Moos angesetzt.

Kommentare werden geladen