Marietheres List räumt Chefsessel beim Theater

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Nach 14 Jahren Intendanz verabschiedet sich Marietheres List zum Ende der laufenden Spielzeit vom Regensburger Theater. Ihre Karriere hinter der Bühne will die 56-Jährige damit aber nicht beenden. „Theater ist einfach mein Leben“, sagt die gebürtige Münchnerin. Konkrete Pläne für ihre berufliche Zukunft hat Marietheres List allerdings noch nicht. „Ich könnte mir aber vorstellen, wieder ein Theater zu leiten“, verrät die Kultur-Managerin.

Mit ihrer Wahl zur Intendantin des Regensburger Theaters gelang Marietheres List 1987 der Einbruch in eine Männerdomäne: Als erste Frau in Deutschland übernahm sie ein Jahr später die Leitung eines Drei-Sparten-Hauses. „Es war anfangs sehr schwer, ich musste mein Können erst beweisen“, räumt die Intendantin ein. Doch die Situation war für List nicht neu. „Ich habe in meinem Beruf von Anfang an in Bereichen gearbeitet, die fest in Männerhand waren.“

Unter ihrer Leitung wurden seit 1988 knapp 300 Produktionen auf die Bühnen der Domstadt gebracht. Die insgesamt mehr als 6000 Vorstellungen in den insgesamt vier Spielstätten lockten rund 1,3 Millionen Besucher an. „Das Aufregendste waren die Premieren, hier habe ich viele Erfolge, aber auch Tiefen erlebt.“ Schon in den Proben habe sie gespürt, ob eine Inszenierung später beim Publikum ankomme. „Mein Gefühl hat mich dabei niemals im Stich gelassen“, erklärt die Intendantin.

Der Aufbau der Sparte Ballett am Theater der Domstadt lag ihr besonders am Herzen. „Den Tanz habe ich schon als Kind besonders geliebt.“ Mit fünf Jahren begann sie mit dem Ballettunterricht. Doch aus ihrem Berufstraum „Ballerina“ wurde nichts. „Die Begeisterung für das Ballett ist aber bis heute geblieben“, schwärmt die 56-Jährige.

Neben dem Tanztheater führte die Intendantin auch Kammeropern und zeitgenössische Musicals auf der Regensburger Bühne ein. Ein weiterer Höhepunkt ihrer Arbeit war die aufwendige Sanierung und Modernisierung des Theaters am Bismarckplatz. In mehr als dreijähriger Bauzeit wurde das klassizistische Gebäude für rund 27,6 Millionen Euro komplett neu gestaltet. Die historische Radsporthalle Velodrom wurde während der Renovierung als Ausweichspielort genutzt und hat sich mittlerweile als zweite große Spielstätte etabliert.

„Ich war schon immer völlig verrückt nach Theater“, sagt die Intendantin, die in einer Theaterfamilie aufgewachsen ist. Ihr Vater war Betriebsdirektor an der Bayerischen Staatsoper in München, ihre Mutter Opernsängerin. Viele Jahre lang träumte auch Marietheres List von einer Sängerkarriere, doch ihre Stimme reichte nicht für die Bühne. Nach dem Studium sammelte die gebürtige Münchnerin hinter den Kulissen verschiedener europäischer Häuser Erfahrungen und arbeitete sich Position um Position nach oben.

Das Engagement in Regensburg war der bisherige Höhepunkt ihrer Karriere. Trotzdem dachte Marietheres List in den vergangenen Jahren immer wieder ans Aufhören. Den Zeitpunkt ihres Abschieds hat allerdings letztendlich die Stadt mit dem Engagement Ernö Weils, dem bisherigen Leiter des Theaters Pforzheim, als neuen Intendanten bestimmt. Der Abschied fällt Marietheres List schwer. „Ich hänge sehr an diesem Haus.“

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