Ex-Profi Bassons: «Dopingmittel wie Orangensaft»

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Der ehemalige französische Radprofi Christophe Bassons hat erneut schwere Anschuldigungen hinsichtlich der Dopingpraktiken bei der Tour de France erhoben. „Vor 1998 nahm man die Dopingmittel, als würde man einen Orangensaft trinken. Doping gehörte zum Milieu und jeder machte es in allen Teams“, sagte Bassons im „Deutschlandfunk“.

In dem Zusammenhang warf er dem Tour-Favoriten und Vorjahressieger Lance Armstrong (USA) vor, sich am Mobbing gegen den Doping-unwilligen Franzosen beteiligt zu haben.

„Um zu verstehen, was „fuck you“ heißt, braucht man keine zehn Jahre Englisch. Er hatte mir zu verstehen gegeben, dass ich dem Radsport schade und es Zeit sei, den Beruf zu wechseln.“ Immerhin räumt er ein, dass Armstrong „letztlich offener und direkter war als das restliche Fahrerfeld, denn er hat wenigstens klar und deutlich gesagt, was alle anderen nur leise dachten“, so Bassons, der seine Vorwürfe alljährlich zu Zeiten der Frankreich-Rundfahrt anbringt.

Bassons war bei der Doping-Skandal-Tour von 1998 wegen bewussten Verzichts auf Dopingmittel für die Medien Aushängeschild für Sauberkeit im Radsport, bei seinen Radsport-Kollegen hingegen war er der am meisten angefeindete Fahrer. Nach Darstellung des Franzosen hatte der Leiter des Festina-Rennstalles, Roussel, dem Sportler für das Jahr 2000 die Erhöhung des Monatsgehalts von 28 000 auf 300 000 Francs angeboten, „wenn ich bereit wäre, EPO-Doping zu nehmen“.

Bassons, der als große Radsport-Hoffnung seines Landes galt, war bereits mit 21 Jahren bei den Amateuren Französischer Meister geworden und im Jahr darauf zum Festina-Rennstall gewechselt. Im Juli 2001, mit knapp 27 Jahren, hatte er entnervt seinen Rücktritt vom Radrennsport erklärt. Der Autor des Buches „Positiv“ arbeitet heute in Bordeaux als Staatlicher Sportlehrer im Triathlon-Sport.

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