«Rekord-Rubens» blieb jahrzehntelang unbeachtet

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Das für die Rekordsumme von mehr als 77 Millionen Euro in London versteigerte Rubens-Gemälde hat Jahrzehnte lang unbeachtet in einem Chorherrenstift in Österreich gehangen. Eingebracht wurde es von einer 89 Jahre alten Rentnerin, die das zwischen 1609 und 1611 entstandene Bild „Das Massaker der Unschuldigen“ geerbt hatte, wie Zeitungen in Österreich berichteten. Experten kritisieren nun, dass die Frau für das Gemälde eine Ausfuhrgenehmigung erhielt.

Den Berichten zufolge hatte sie das Gemälde des flämischen Meisters Peter Paul Rubens (1577-1640) bereits 1923 von ihrem Vater geerbt. Fast 50 Jahre später stellte sie es dem Stift Reichersberg (in der Nähe von Ried/Innkreis) als Leihgabe zur Verfügung, wo der unerkannte Rubens unter Dutzenden anderen Bildern durchschnittlicher Qualität in einem öffentlich nicht zugänglichen Bereich hing. Stiftsherren wie Eigentümerin waren der festen Meinung, es handle sich um ein Werk des Rubens-Schülers Jan van der Hoecke.

Ende des Vorjahres wurde ein Experte von Sotheby's beauftragt, das Gemälde zu schätzen. Der erkannte den wahren Wert, die Rentnerin löste den Leihgabe-Vertrag und erhielt für den vermeintlichen van der Hoecke eine Ausfuhrgenehmigung. Am Mittwochabend wurde das Gemälde schließlich bei Sotheby's in London für die Rekordsumme von 49,5 Millionen Pfund (77,3 Millionen Euro) von einem auf mittelalterliche und orientalische Manuskripte spezialisierten Unternehmen ersteigert.

Nach Angaben des Bundesdenkmalamtes in Wien wäre die Ausfuhrgenehmigung allerdings vermutlich auch dann erteilt worden, wenn der wahre Wert des Kunstwerkes bekannt gewesen wäre. „Die Museen und Sammlungen sind in Österreich mit Rubens-Gemälden hervorragend ausgestattet. Daher ist es nicht unser vorrangiges Interesse, Rubens-Gemälde im Lande zu halten“, wird eine Sprecherin zitiert. Das Amt habe nicht dem materiellen Wert, sondern der künstlerischen Bedeutung für Österreich zu folgen.

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