Weltweit einzige schwimmende Jugendherberge

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Vom damals noch belgischen Kongo brachte sie einst Kolonialwaren - Kaffee, Kakao, Tabak und Kautschuk - nach Europa. Später steuerte sie auch Kuba an. Nun liegt die 1951 in Antwerpen gebaute weiss-graue „MS Georg Büchner“ im Rostocker Hafen. Seit April ist sie wieder aktiv - als Jugendherberge.

Damit ist sie die weltweit einzige ihrer Art auf einem Stahlschiff, sagt Klaus Janßen, Geschäftsführer des „Fördervereins Traditionsschiff Rostock“. Ein Schiff mit fester Postadresse: „Am Stadthafen 72“.

„Es läuft gut“, meint Janßen. „Eine ähnliche Jugendherberge gibt es in Stockholm, aber auf einem Holzschiff.“ Mit etwa 5000 Gästen im Jahr rechnet er auf dem 10 000-Tonner, 153 Meter lang und knapp 20 Meter breit.

Im Innern des Fracht- und Passagierschiffs Dutzende Türen an schmalen Gängen mit komfortablen Kabinen. Furniertes Teakholz gibt ein wenig koloniales Flair. Daneben etwas rostige Stahlböden und Geländer. Doch es ist behaglich warm, riecht nach Altöl und Wasser - Hafenduft. Und das nur wenige Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Das Schiff ankert nicht, es ist mit so genannten Dockschlössern fest angebracht, was die ruhige Lage „auf See“ erklärt. Durch's Bullauge blickt man hinaus auf den schmalen nordischen Hafen, auf Yachten und Villen.

Außerdem sind auf der „MS Georg Büchner“ ein Garni-Hotel mit ebenfalls 45 Betten und zwei Bildungseinrichtungen untergebracht. Die Preise beider „Häuser“ sind überaus kommod. Träger des Ganzen ist der junge Förderverein mit 30 Mitgliedern - „Mittelständler, Privatleute und Fans der Seefahrt“, wie Janßen sagt. Der Verein kaufte das Schiff im Dezember noch für eine symbolische Mark und baute es für gut 50 000 Euro um. Bis zum vergangenen Jahr war die schon zu DDR-Zeiten bestehende Jugendherberge noch auf dem im Hafen nun benachbarten „Traditionsschiff“ untergebracht, als dieses noch außerhalb vor dem Stadtteil Schmarl lag - weit weg von den für Jugendliche interessanten Plätzen der Innenstadt.

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