Rührung, Glanz und Witz bei «Goldene Feder»-Verleihung

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Nach einem Intendanten, einem tollkühnen Flieger und einem Sänger freute sich RTL-Chefredakteur Hans Mahr den Medienpreis „Goldene Feder“ der Bauer-Verlagsgruppe an jemanden überreichen zu können, „der schreiben kann“: „Bild“- Zeitungskolumnist Franz Josef Wagner. Der wollte es kurz machen - „Herzlichen Dank. Den Rest schreib ich Euch!“ - besann sich dann aber doch auf wohlmeinende Worte und überließ damit Skiflieger und ebenfalls Preisträger Sven Hannawald die kürzeste Dankesrede.

Rund 400 Gäste aus der Unterhaltungs- und Medienbranche, Wirtschaft und Politik verfolgten am Freitagabend im Saal der Hamburger Handelskammer die von Johannes B. Kerner moderierte Preisverleihung. Beim wortgewandten Publikum entschuldigte sich das Skiflug-As aufrichtig, nachdem ihn Lufthansa-Chef Jürgen Weber gewürdigt hatte. „Drei Minuten, so lange reden kann ich jetzt nicht - ich bin Sportler“, gestand der Sieger der Vier-Schanzen-Tournee. Eben diese Tugenden, „frisches Auftreten, Offenheit, Freimut“ (Weber) ließen auch den Lufthansa-Chef zu einem Fan von „Hanni“ werden: „Springt Hannawald, spring ich vom Schreibtisch auf.“

Um Mitternacht betrat der belgische Sänger Helmut Lotti die Bühne, der den Gästen eine Kostprobe dessen gab, wofür er ausgezeichnet worden war.

Mit geschliffenen Worten hatte Altbundeskanzler Helmut Kohl „Mister ZDF“, den im März ausgeschiedenen ZDF-Intendanten Dieter Stolte, gewürdigt. Kindheit, Jugend und Karriereschritte von Stolte - „wir kennen uns seit 1962“ - sagte Kohl. „Ein Mann, der gebildet ist, der liest, das Wort versteht und handhabt, und Freude am Schönen hat“, beschrieb der Politiker den Preisträger in der Kategorie „Lebenswerk“. Stolte ist jetzt Herausgeber der Tageszeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“ aus dem Axel Springer Verlag.

Dazu beglückwünschte ihn Kohl, „auch wenn ich nie begriffen hab, was ein Herausgeber macht“. Und weil Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner in den Applaus einstimmte, setzte der gut gelaunte Ex-Kanzler nach: „Herr Döpfner, ich hoffe, Sie wissen es!“ Der von Kohls Worten sichtlich gerührte Stolte gab zu Bedenken, dass am Anfang das Wort und nicht das Bild gewesen sei. Nun könne er zeigen, „ob ich wirklich so gut gewesen bin“.

Als der Moderator die Preisträger zum Gruppenfoto und die Anwesenden dazu um Applaus bat, konnte sich Kerner einen Seitenhieb auf den nominierten, aber ferngebliebenen TV-Entertainer Harald Schmidt und dessen „Late Show“-Redaktionsleiter Manuel Andrack nicht verkneifen. „Und vielleicht beklatschen sie die erstaunliche Tatsache, dass vier der fünf Preisträger heute schon ihren Preis entgegen genommen haben“, sagte Kerner. Schmidt hatte das Moderieren von Kerner und dessen „jüngste mediale Außenwirkungen“ als Gründe seiner Absage angeführt. Damit bezog er sich auf Kerners Sondersendung aus Erfurt am Tage des Schul-Massakers am 26. April. Der Moderator hatte damals auch einen Elfjährigen als Augenzeugen befragt, was Medienkritiker als instinktlos empfanden.

Dieses Kollegen-Scharmützel mag unter den Chefredakteuren, Verlegern und Journalisten ein Gesprächsthema gewesen sein. Aber auch der Auftritt von Party-Promi Jenny Elvers, die im kurzen schwarzen Kleidchen für die Kameras posierte, war für Kommentare gut. „Das ist nicht meine Welt“, resümierte die 28-jährige Annette Hierholzer nach dem abendfüllenden Blick auf Medienstars wie Uschi Glas, Marie-Luise Marjan (Mutter Beimer) oder Vicky Leandros. Die Bankangestellte hatte erst am Morgen beim Lokalsender Radio Hamburg eine Eintrittskarte für die Gala gewonnen.

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