Hartmuth Jung: Im Grund genommen leiden wir auf relativ hohem Niveau

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SPAICHINGEN/ FRANKFURT - Er ist einer der Spaichinger, die es zu etwas gebracht haben: Hartmuth Alexander Jung. Der 39-Jährige gehört mittlerweile zu den großen Nummern im europäischen Finanzgeschäft.

Von unserem Redaktionsmitglied Christian A. Koutecky

Hartmuth Jung lebt in der Finanzmetropole Frankfurt - und arbeitet in der ganzen Welt. Als Vorstandsvorsitzender der UBS Deutschland (Schweizer Bankverein), der UBS Warburg und Vorstandsmitglied der UBS Europa ist er für das europäische M&A-Geschäft des Finanzriesen zuständig.

M&A - das heißt "Mergers and Akquisitions". In diesem Geschäftsbereich geht es um die Vermittlung von Unternehmens-Zusammenschlüssen und -Übernahmen. So zog Jung beispielsweise die Fäden, als der Versicherungsriese Allianz die Dresdner Bank übernahm.

Dabei fing alles harmlos an: 1981 machte Jung in Spaichingen das Abitur. Dann wurde es schon ein bisschen härter: Er ging als Fallschirmjäger zur Bundeswehr. Die nächste Steigerung war das Studium. Das absolvierte Jung auf der "European Business School" in London, Paris und Frankfurt. Danach machte er seinen beruflichen Weg - dorthin, wo er heute ist.

Und dort ist er nicht alleine. "Ich habe über 1000 Leute. Derzeit laufen zeitgleich bei UBS Warburg 15 bis 20 Transaktionen und etwa zwei Dutzend Transaktionen im Jahr." Allerdings erfährt das M&A-Geschäft in Deutschland längst nicht die Akzeptanz, wie in den USA oder Großbritannien.

Jung sieht neue Entwicklungen in der Wirtschaft nüchtern. Die Tatsache, dass zunehmend auch heimische Konzerne von ausländischen Investoren übernommen werden, erschreckt ihn nicht. "Wenn eine deutsche Firma übernommen wird, sieht man sowas als Niederlage - das ist es aber nicht", sagt Jung.

Firmen benötigen Investitions-Kapital. Dieses kann beispielsweise durch die Ausgabe von Aktien zugeführt werden --oder durch eine andere Firma, die investiert. Jung: "Wir haben das Problem, dass der Kapitalmarkt in Deutschland unterentwickelt ist. Das gilt für die Börse und für Investoren. Es ist eine deutliche Unterentwicklung --egal nach welchen Maßstäben."

Die Wirtschaftskrise in Deutschland kommentiert er leicht ironisch: "Im Grund genommen leiden wir auf relativ hohem Niveau. Es ist derzeit einfach nicht möglich, dass der relative Abstand zu den anderen noch größer wird. Also müssen wir sehen, wie wir unseren Wohlstand sichern."

Wobei Jungs Tätigkeitsfeld nicht auf die Bundesrepublik beschränkt ist. Sehr viel Zeit verbring der Spaichinger auf Flughäfen und in Flugzeugen. Arbeitet in New York und Tokio. Ein 16-Stunden-Arbeitstag ist keine Seltenheit. Dabei muss der Banker darauf achten, dass er seine Familie nicht vernachlässigt. Schließlich ist er verheiratet und hat drei Kinder.

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