Graue Eminenz der Hamburger Kulturpolitik: Rolf Mares gestorben

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Er war die graue Eminenz der Hamburger Kulturpolitik, ein alter Theaterhase mit kaufmännischem Geschick und großem Engagement für die Kunst. Rolf Mares, der am Mittwoch im Alter von 71 Jahren in Hamburg starb, hat Jahrzehnte lang das Kulturleben der Hansestadt maßgeblich mitbestimmt.

Seit Jahren schwer an Leukämie erkrankt, konnte der ehemalige Chef der Komödie Winterhuder Fährhaus zuletzt die Möglichkeit, parteiloser Kultursenator in der neuen Mitte-Rechts-Regierung zu werden, nicht mehr verwirklichen.

Doch bis zum Schluss hat der zurückhaltende Mann mit dem trockenen Humor, der eine Zeit lang sogar Präsident des Hamburger Sport-Vereins (HSV) war, sich kenntnisreich und klar in der Sache vor allem für die Anliegen der Hamburger Bühnen stark gemacht.

Er galt stets als kühler Kopf und nüchterner Rechner. Wohl darum konnte Rolf Mares zwei so konträre Karrieren in Kunst und Fußball unter einen Hut bringen. Nachdem er 1999 als Präsident des HSV nach neun turbulenten Monaten das Handtuch geworfen hatte, verabschiedete er sich 69-jährig im Jahr darauf als Direktor der Komödie Winterhuder Fährhaus. Seinem bereits sorgfältig eingeführten Nachfolger Michael Lang übergab er selbstverständlich eine erstklassig laufende und fast immer ausverkaufte Boulevard-Bühne.

Die große Leidenschaft des stets korrekten Mannes aus der Finanzbehörde, wo Mares nach einer Ausbildung zum Verwaltungsbeamten von 1953 bis 1964 tätig war, galt jedoch der Oper. Nach Jahren am Deutschen Schauspielhaus (1964-1966) und am Thalia Theater (1966- 1973), wo er für die kaufmännische Seite verantwortlich war, gelangte Mares ans Ziel seiner Herzenswünsche und wurde Staatsoperndirektor. Von 1974 bis 1988 umgarnte er oder schüchterte er - je nach finanzdiplomatischem Kalkül - die weiblichen und männlichen Sangesdiven bei Vertragsverhandlungen ein.

Oft schaffte Mares es noch in letzter Minute durch einen geistesgegenwärtigen Anruf, dass doch noch Ersatz für einen vor der Premiere beleidigt abgereisten Dirigenten gefunden wurde und der Vorhang sich öffnen konnte.

Eine weitere Meisterleistung gelang Mares mit der Komödie Winterhuder Fährhaus. Der mit allen Wassern des Theaterbetriebs und der Hamburger Kulturszene gewaschene Privattheater-Direktor wusste sein Publikum genau einzuschätzen. 1988 begann er bei Null mit der Dependance der Berliner Wölffer-Bühnen in Hamburg-Winterhude und baute sie ohne staatliche Subvention in zehn Jahren zu einer der bestgehenden Privatbühnen der Republik aus. Heute verfügt das 552- Plätze Haus noch immer über einen festen Stamm von rund 12 000 Abonnenten und bietet eine künstlerisch wie publikumswirksam klug kalkulierte Mischung von Unterhaltungs- und TV-Star-Theater.

Daneben fand Mares noch Zeit, den Hamburger Symphonikern in einer existenziellen Krise beizuspringen. Sein Know-how gab der gebürtige Travemünder als Dozent im Studiengang Kulturmanagement an der Musikhochschule an Studenten weiter. Trotz seines Abschieds als Theaterleiter ging Mares der Hamburger Kunstszene nicht verloren: Als parteiloser kulturpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, als Vorsitzender des Kulturausschusses und Mitglied des Haushaltsausschusses der Hamburger Bürgerschaft ließ Mares es sich nicht nehmen, mitzumischen und ein gewichtiges Wort einzulegen.

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