Pichler meldet Insolvenzverfahren an

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LAICHINGEN - Das Laichinger Traditionsunternehmen Pichler hat Insolvenz angemeldet. Das bestätigte Thomas Wagner, Geschäftsführer der Hermann Pichler GmbH &Co KG, gestern auf Nachfrage der SZ. Den über 100 Mitarbeitern wurde dies ebenfalls gestern im Rahmen einer Betriebsversammlung mitgeteilt.

Von unserem Redakteur Werner Kemmler

Zu den Einzelheiten - wie es dazu gekommen ist, zu Sozialplänen und die weitere Vorgehensweise - wird sich die Geschäftsführung der Leinen- und Jaquardweberei in Absprache mit dem Insolvenzverwalter und den Gewerkschaftsvertretern im Laufe des heutigen Tages offiziell äußern. Auch die Gewerkschaft wird in einem Pressegespräch die Dinge aus ihrer Sicht darstellen.

Das Textilunternehmen - 1866 als Handelshaus in Bad Urach gegründet und 1876 um eine Leinwandweberei in Laichingen erweitert - war in den vergangenen Jahren zunehmend unter Druck geraten. Geschäftsleitung und Mitarbeiter handelten aus diesem Grund eine Standortsicherungsvereinbarung mit dreijähriger Laufzeit aus. Die Belegschaft erklärte sich bereit, auf einen Teil der Jahressonderzahlungen und des Urlaubsgeldes zu verzichten. Außerdem wurde eine unentgeltliche Mehrarbeit von ein bis zwei Stunden in der Woche vereinbart. Im Gegenzug verpflichtete sich die Firma dazu, die Arbeitsplätze zu sichern.

Im Jahr 2001 litt Pichler besonders an der allgemeinen Konjunkturentwicklung, wie Geschäftsführer Dr. Wagner in der Jahresabschlussfeier erklärte. Zudem hatte sich zur Jahresmitte ein erheblicher Abschreibungsbedarf auf Forderungen und Beteiligungen abgezeichnet, für die großteils die Gesellschafter eintraten.

Doch schon im Vorjahr blieb das Geschäft mit Tischwäsche hinter den Erwartungen zurück. Ganz bitter erwischte es Pichler offensichtlich 1999, seinerzeit von Dr.Wagner als "das wohl schlechteste Tischwäschejahr seit Anfang der achtziger Jahre" bezeichnet.

Die Firma, die im türkischen Adana eine Tochtergesellschaft besitzt, hatte sich Anfang der neunziger Jahre auf den Bereich Tischwäsche spezialisiert - 90 Prozent der Produkte gehören in diesen Bereich. Die Weberei wurde für vier Millionen Mark modernisiert. So nahm das Unternehmen im April 1999 die bis dahin in Deutschland größte eingesetzte Anlage für Tischwäsche in Betrieb.

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