„Schrott und Totschlag“ - der neueste Bretzinger-Tatort

Lesedauer: 6 Min

Irgendwann inszeniert er vielleicht auch einmal einen Krimi „Mord im Gemeinderat“, der Fernseh-Regisseur Jürgen Bretzinger.

Gehört der geborene Ravensburger, der mit seiner Familie in der Marktstraße wohnt, doch neuerdings als Mitglied der Grünen-Fraktion dem Ravensburger Stadtparlament an, bekommt also praxisnah mit, wie es dort zugeht. Von Mord und Totschlag kann in der Ratsrunde allerdings keine Rede sein, allenfalls

Totschlag-Argumente werden mal ausgetauscht.

Anders im Tatort „Schrott und Totschlag“, den Bretzinger inszeniert hat und der morgen, Sonntag, 6. Januar, 20.15 Uhr von der ARD gesendet wird. Der Film, für den Dorothee Schön, die Frau des Regisseurs, das Drehbuch schrieb, greift ein schwieriges Thema auf: sexuellen Missbrauch von Kindern. Als Kommissarin Lena Odenthal spielt Ulrike Folkerts die Hauptrolle. Sie ermittelt zusammen mit Mario Kopper (Andreas Hoppe) gegen den Schwimmtrainer Bertram Nock (René Hofschneider). Der hat versucht, das 12-jährige Sinti-Mädchen Giri in seinem Auto sexuell zu missbrauchen. Dem Mädchen gelingt es in letzter Minute, dem Täter zu entkommen, nur leicht verletzt am Körper, aber schwer an der Seele. Tags darauf erblickt das Kind seinen Peiniger im Bus, flieht über eine Rheinbrücke, verfolgt von Nock. In Panik springt Giri von der Brücke in den Strom und ertrinkt.

Der Film weist einige erschreckende Parallelen zum Mord an der zwölfjährigen Ulrike aus Eberswalde auf. Doch das ist Zufall. Dorothee Schön, selbst Mutter zweier Kinder, hatte das Drehbuch bereits geschrieben, als das Verbrechen an Ulrike verübt wurde. Im Gespräch machte die Drehbuchautorin deutlich: „Bei einem solchen Thema begibt man sich auf eine gefährliche Reise. Selten war bei einem Tatort die Auseinandersetzung mit der Redaktion so intensiv über die Frage des Wie. Schließlich wollte niemand einen spektakulären Reißer, der die Thematik vordergründig anprangert, aber unterschwellig damit lockt. Da ist vor allem von der Regie großes Fingerspitzengefühl gefordert, wie überhaupt bei Gewaltdarstellungen…“ Und Regisseur Bretzinger fügte hinzu: „Wir wollten vor allem vermeiden, die Mädchen (ein weiteres ist in dem Film in Gefahr) als Lustobjekte auszustellen. Es ist eine Frage der Reduktion: Man muss nicht alles zeigen, was passiert und der Zuschauer versteht es trotzdem.“

Am Sonntag wird sich zeigen, inwieweit es gelungen ist, das heikle Thema überzeugend in den Griff zu bekommen. Vorschauen diverser Fernseh-Zeitschriften geizen nicht mit Vorschuss-Lorbeeren. Das schwierige Thema sei behutsam umgesetzt worden, heißt es da. Von Hochspannung, die zum Nachdenken anregt, ist die Rede und von einem starken Fall ohne Effekthascherei, der den Zuschauer 90 Minuten lang nicht mehr loslasse. Übrigens gibt es neben dem Regiseur und seiner Frau, der Drehbuchautorin, die beide in Ravensburg zu Hause sind, noch einen dritten lokalen Bezug dieses Fernseh-Krimis. Es ist der Schrottplatz, der in diesem Tatort eine Rolle spielt. Für einen Schrottplatz eine Drehgenehmigung zu bekommen, ist schwierig, weiß Jürgen Bretzinger. „Schrotthändler sind sehr misstrauisch, was das Fernsehen anbelangt, weil sie immer negativ dargestellt werden.“ Im Film „Schrott und Totschlag“ kommt ein Schrotthändler vor, der bereit ist, einen Wagen illegal verschwinden zu lassen. Aber er hat ein lauteres Motiv: Er will den Täter überführen.

Trotzdem tat sich Regisseur Bretzinger schwer, für die Dreharbeiten in der Nähe von Baden-Baden einen Schrottplatz zu finden. Also besann er sich auf verwandschaftliche Beziehungen zur Ravensburger Unternehmer-Familie Bausch. Die Chefs sind seine Onkels. In Herbertingen, wo die Firma Bausch Teilhaberin eines großen Schrottplatzes ist, durfte er mit seinem Team schließlich drehen. Seine Frau, die Drehbuchautorin, hat bei seinen Onkeln und Vettern recherchiert und wertvolle Anregungen gesammelt. Wenn dieser Krimi ein großer Erfolg wird, dann ist der also auch der Familie Bausch zu verdanken.

Kommentare werden geladen