Frankenberg lobt Tuttlinger Modell

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Tuttlingen - Nur sehr selten stiehlt ein Hochschuldekan einem Minister die Show. Doch am gestrigen Freitag war es kurz vor Ende der feierlichen Eröffnung des ersten akademischen Jahres an der neuen Hochschule mal wieder soweit.

Während Prof. Dr. Peter Frankenberg, Landesminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, in seiner Festansprache die Studenten eindringlich dazu ermunterte, ihre Studienzeit zu genießen, forderte Gründungsdekan Prof Dr. Günter Pritschow die angehenden Akademiker kurzerhand dazu auf, das Studentenlied "Gaudeamus igitur" ("Lasst uns also fröhlich sein") anzustimmen. Ein Zettel mit Noten und Text wurde verteilt und Pritschow gab vor: "Wenn die Noten nach unten gehen, müssen sie tiefer singen." Zunächst ein wenig irritiert, machte sich schnell eine ausgelassene Stimmung breit. Auch, weil Pritschow kurzerhand am Keyboard in die Tasten haute.

Doch der Minister war aus Stuttgart nicht nur gekommen, um den Erstsemestern ein fröhliches Studentenleben zu wünschen oder zu singen. Vielmehr lobte er, was sich in den vergangenen Jahren in Tuttlingen entwickelt hat. "Vor drei Jahren konnte keiner ahnen, dass dieses Projekt Wirklichkeit wird", sagte Frankenberg. Er sprach von einem Tuttlinger Modell - und das "kam nicht vom Land, was wir hier sehen." Die Gelder für die Hochschule wurden vielmehr von der Kommune und den hiesigen Unternehmen bereitgestellt.

Zudem hob Frankenberg die Partnerschaft zwischen Hochschule und Unternehmen hervor. Woanders werde darüber diskutiert, wieso die Wirtschaft beeinflusst, welche Studienabschlüsse angeboten werden. Die "Laborgemeinschaft", also die Idee, die Labore der Unternehmen zu nutzen, sei sehr gut: "Nirgendwo sonst sind Wirtschaft und Wissenschaft kooperativer als in Baden-Württemberg." Pritschow bemerkte dazu ganz euphorisch: "Es ist ein wunderschöner Gedanke, wenn angehende Ingenieure schon mit dem konfrontiert werden, was sie erwartet."

An die Tuttlinger Hochschul-Pioniere gewandt sagte Minister Frankenberg, dass sie "ihre und Tuttlingens Zukunft gestalten können." Die Stadt würde sich auch durch sie verändern - und das meinte er nicht nur mit Blick auf die Kneipenlandschaft. Landrat Guido Wolf MdL ging in die gleiche Richtung: "Wer sagt ?Das sind unsere Studenten', der sagt das auch mit einem gewissen Stolz." Der Applaus der Erstsemester war ihnen dank der vielen waren Worte sicher. Und eins bleibt den "Erstis" sicherlich in ihrem gesamten Leben präsent: Sie stehen für den Beginn einer neuen und hoffentlich langen Tradition.

Von unserem Redakteur Christian Gerards

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