Klinik informiert über Schüler-Krankheiten

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ULM (sz) --Wenn ein Schüler mitten in der Schulstunde in sein Pausenbrot beißt, ist der Lehrer selten amüsiert. Hat dieser Schüler aber Diabetes Typ 1, muss er in bestimmten Situationen sofort essen. Der Lehrer kann darauf nur richtig reagieren, wenn er über diese Erkrankung Bescheid weiß. Genau das ist das Ziel einer Lehrerfortbildung des Ulmer Uni-Klinikums.

Die Fortbildung am 21. Oktober um 14 Uhr in der Sparkasse "Neue Mitte" informiert nicht nur über Diabetes, sondern auch über den richtigen Umgang mit Schülern, die an Epilepsie oder Übergewicht leiden. Veranstalter sind der Verein Diabetes Kinder Ulm und die Sektion Endokrinologie der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin in Zusammenarbeit mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum sowie den Schulämtern Ulm-Biberach und Neu-Ulm.

"Wir wollen mit dieser Veranstaltung Ärzte und Lehrer zusammenbringen", erklärt Prof. Martin Wabitsch, Leiter der Sektion Endokrinologie der Kinder-Klinik. "Medizin ist kein Pflichtfach für Lehrer, dennoch müssen sie mit Schülern umgehen, die Krampfanfälle bekommen, aufgrund ihres Übergewichts eingeschränkt sind oder wegen ihrem Diabetes auf ihren Zuckerspiegel achten müssen. Hier wollen wir Hilfestellung leisten."

Das Interesse daran ist bei Lehrern groß, weiß Roland Gründig, Lehrer an der Munderkinger Realschule und Vorstandsmitglied des Vereins Diabetes Kinder Ulm und Umgebung e.V. "Als medizinischer Laie weiß man oft nicht, dass zum Beispiel Diabetes Typ 1 bei Kindern etwas völlig anderes ist als die Diabetes vom Typ 2, die häufig durch falsche Ernährung entsteht. Wenn ich als Lehrer weiß, dass das Kind nichts für seine Erkrankung kann, habe ich eine andere Ausgangsbasis, kann die Mitschüler aufklären und dem Kind dadurch helfen. Das gilt auch für den Umgang mit Kindern, die an Übergewicht oder Epilepsie leiden", berichtet Gründig.

Die Lehrer können ein Diabeteskind beispielsweise dabei unterstützen, erste Anzeichen von Unterzuckerung zu erkennen oder es zum Blutzuckermessen motivieren. Die Erkrankung ist kein Massenphänomen, nimmt aber zu - allein am Ulmer Klinikum werden 250 Kinder mit Diabetes Typ 1 behandelt.

Hilfreich ist auch zu wissen, wie man auf den Krampfanfall eines Epileptikers richtig reagiert, denn in Deutschland leiden 200 000 Kinder an dieser Krankheit. Angesichts der hohen und steigenden Zahl stark übergewichtiger Kinder - sieben Prozent im Alter von sechs bis 16 Jahren gehören dazu - stellen sich neben sozialen auch immer häufiger medizinische Fragen, etwa wie man solche übergewichtigen Schüler im Sportunterricht sinnvoll einbeziehen und sie zu mehr Bewegung motivieren kann.

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