Reservix zeigt Herz für Jürgens-Fans

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WAIN - Die Absage der vor zwei Wochen geplanten Udo-Jürgens-Gala in Wain hat für einige Misstöne gesorgt. Fans des Schlagerstars, die sich bereits Karten für das Konzert besorgt hatten, warteten bislang vergeblich auf die Rückerstattung des bezahlten Geldes. Jetzt aber zeigt sich die Internet- Ticketagentur Reservix großzügig.

Birgit Maurer aus Schwendi und Jörg Nieland aus Laupheim trauten ihren Augen nicht, als sie am Dienstag eine E-Mail der Agentur Reservix erhielten, bei der sie 20 beziehungsweise zwei Karten zu je 60 Euro für den Jürgens-Auftritt übers Internet bestellt und erhalten hatten. "Der Veranstalter É hat uns die an ihn weitergeleiteten Ticketeinnahmen trotz mehrfacher Aufforderung noch nicht zurückerstattet. Wir bemühen uns derzeit dringend mit anwaltlicher Hilfe um sofortige Rückerstattung, da Ihnen das Geld selbstverständlich vollständig zusteht. Bitte haben Sie daher noch einige Tage Geduld", hieß es in der Nachricht.

Die Adressaten - und wohl auch andere Käufer von Karten - fühlten sich veräppelt, denn knapp zwei Wochen zuvor hatte ihnen Reservix per Mail und auch im Bericht der SZ über die Absage zugesichert: "Wer über die Vorverkaufsstellen bei uns gekauft hat, muss nicht bluten." Zu diesem Zeitpunkt ahnte die Agentur noch nicht, dass Veranstalter Tobias Mack aus Dietenheim die ihm von Reservix überwiesenen, 70 Prozent der Ticketeinnahmen (14 000 von 20 000 Euro) auch nach mehrfacher Aufforderung durch ein Inkasso-Unternehmen nicht zurückbezahlen würde. "Die Rechtslage ist eindeutig", sagt Reservix-Geschäftsführer Johannes Tolle und verweist auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), nach denen es sich "um einen Vertrag zwischen dem Kartenkäufer und dem Veranstalter" handelt. Diese Regelung sei "völlig üblich im Ticketmarkt", erklärt Tolle. Im Klartext: Reservix ist nicht verpflichtet, den Käufern das Geld zu erstatten.

"Verschulden beim Veranstalter"

"Das hätte ich akzeptiert, wenn man uns vorher nichts Anderes zugesagt hätte", sagt Birgit Maurer, und auch Jörg Nieland verwies auf die Mail und die Aussagen in der SZ. "Ich kann verstehen, dass sich die Leute ärgern, aber das Verschulden liegt beim Veranstalter", sagt Tolle. Doch die Agentur reagierte jetzt mit Kulanz: Ursprünglich habe man die einbehaltenen 30 Prozent der Ticketeinnahmen an die Käufer weitergeben wollen, "doch wir haben uns entschieden, das Geld komplett zurückzubezahlen", heißt es aus Freiburg, dem Firmensitz von Reservix. Allerdings betont Johannes Tolle: "Das gilt nur für die Kunden, die die Karten bei uns gekauft haben. Für die von Tobias Mack persönlich verkauften Tickets oder seine eventuellen betrügerischen Aktionen übernehmen wir keine Verantwortung."

Während auf die gestrige Mail an die Käufer die ersten Dankesschreiben bei Reservix eintrudelten, hofft die Agentur auf einen Erfolg der rechtlichen Schritte gegen den SES-Veranstaltungsservice Mack. Dessen Geschäftsführer Tobias Mack scheint jedoch untergetaucht, jedenfalls ist er seit Tagen weder für die Mitarbeiter von Reservix und dessen Inkasso-Beauftragten noch für die SZ telefonisch erreichbar. "Wir erleben es in den rund sieben Jahren unseres Bestehens erst das zweite Mal, dass ein Veranstalter nicht bezahlt", ärgert sich Tolle darüber, offensichtlich dem Falschen vertraut zu haben.

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