Schockenhoff will kämpfen, als würde es knapp

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Mangelnde Konkurrenz macht manchmal müde. Aber zum Ausruhen bleibt Dr. Andreas Schockenhoff keine Zeit. Seit einigen Wochen nutzt der 52-Jährige die sitzungsfreie Zeit im Bundestag dafür, von Ortsverband zu Ortsverband, von Firma zu Firma, von Termin zu Termin zu fahren, und dabei beginnt der eigentliche Wahlkampf ferienbedingt erst im September. Aber Schockenhoffs Wahlkreis wurde bekanntlich reformiert, er hat Gebiete aus den früheren Wahlkreisen Biberach-Wangen dazubekommen, darunter die Allgäu-Städte Leutkirch, Isny und Wangen, und auch die Mini-Gemeinden um Altshausen aus dem früheren Wahlkreis Sigmaringen-Hohenzollern, gleichzeitig hat er den Bodenseeraum abgegeben. Höchste Zeit also, neue Leute kennenzulernen. "Ich bin ständig unterwegs, aber das macht Spaß."

Schockenhoffs Themen sind hingegen nicht gerade vergnügungspflichtig, "aber es bringt nichts, den Leuten im Wahlkampf Sachen zu versprechen, die nicht zu halten sind", sagt er im Hinblick auf so schwierige Fragen wie die Zukunft der Milchbauern, die im landwirtschaftlich geprägten Kreis Ravensburg eine wichtige Rolle spielt. Verkehrsinfrastruktur und die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum sind ebenfalls Themen, die zum Teil für Unzufriedenheit sorgen, denn nicht jede Umgehungsstraße wird immer sofort gebaut und nicht jedes Dorf hat einen eigenen Landarzt.

Das Hauptthema - nicht wegzudenken in diesen Tagen - sind Wege aus der Wirtschaftskrise. "Bisher haben wir hier relatives Glück gehabt im Kreis", macht Schockenhoff eine gesunde Wirtschaftsstruktur aus. Zwar hingen viele Arbeitsplätze vom Fahrzeug- und Maschinenbau ab, beides Branchen mit hohem Krisenpotenzial also, aber für Pharmaindustrie, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sei Oberschwaben weiterhin ein blühender Standort. Zudem kämen mutige Unternehmerpersönlichkeiten, die sich der Krise entgegenstellten, verteilt Schockenhoff Komplimente an EBZ aus Ravensburg, Rafi aus Berg oder Waldner aus Wangen. "Wenn es jetzt gelingt, die Center Parcs in Leutkirch anzusiedeln, ist das wie ein Sechser im Lotto für Leutkirch und für die Tourismus-Region als solche", glaubt der CDU-Politiker an eine stärkere Verankerung des Kreises als Reiseziel.

Seine direkten Konkurrenten ums Direktmandat "mit ihren aussichtslosen Listenplätzen" beneidet er nicht. "Die Frau Jentner habe ich schon hin und wieder getroffen", meint er, spricht ihren Namen aber konsequent falsch aus, denn eigentlich heißt die SPD-Kandidatin ja Jenter. Als Funktionärin der Lehrer-Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) setze sie seiner Meinung nach zu stark auf das Thema Schule, und das habe in der Bundespolitik ja eigentlich nichts zu suchen, weil es Ländersache ist. "Nicht dass Sie mich falsch verstehen. Ich halte das Thema auch für wichtig, nur wird es nicht im Bundestag entschieden", gibt der frühere Gymnasiallehrer der früheren Hauptschullehrerin Jenter Nachhilfe in Sachen Föderalismus.

Gefragt nach den drei Hauptgründen, warum ihn die Ravensburger wählen sollten, muss Schockenhoff nicht lange überlegen: "Ich bin aus der Region, kenne die Region und die Bedürfnisse ihrer Städte und Gemeinden", verteilt er einen kleinen Seitenhieb auf die SPD und die Grünen-Kandidatinnen. "Ich gehöre als stellvertretender Fraktionsvorsitzender zur Führung der Union im Bund und habe nicht nur Routine, sondern es ist mir auch gelungen, mir Einfluss zu erarbeiten, der der Region zugute kommt." Und drittens: "Ich fühle mich der sozialen Marktwirtschaft und katholischen Soziallehre verpflichtet und habe eine klare Wertorientierung."

Beten hilft dem Katholiken in Situationen, in denen die ganze Tragweite der Entscheidungen des Bundestags klar wird. Zum Beispiel, als er bei einer Trauerfeier in Laupheim Hinterbliebene von in Afghanistan getöteten Bundeswehrsoldaten trifft, deren Tod traurige Konsequenz des Einsatzes am Hindukusch ist. "Die Begegnung mit den Familien ging mir sehr nahe, da hilft mir selber nur das Gebet", meint der Bruder des bekannten Moraltheologen Eberhard Schockenhoff.

Bei allen politischen Erfolgen hat Schockenhoff im Privatleben gerade einen herben Rückschlag zu verkraften. Nachdem seine erste Frau gestorben war, heiratete er 2002 erneut, aber die zweite Ehe hat nicht gehalten, seine Frau ist gerade mit ihren beiden Kindern ausgezogen. "In meinem Wahlprospekt steht noch, dass ich verheiratet bin und fünf Kinder habe, der ist schon länger gedruckt. Ich will die Wähler aber nicht belügen und einen auf heile Familie machen. Daher stehe ich dazu, wenn ich darauf angesprochen werde."

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