Roland Martin-Werk erinnert an Gefallene

Lesedauer: 5 Min

Derzeit blühen auf dem Denkmal üppige Begonien. Mit ihrer Pracht verdecken sie einen Teil des in den Naturstein eingeschlagenen Schriftzuges "Die Gemeinde ihren in den Weltkriegen 1914-18 / 1939-45 gefallenen und vermissten Söhnen zum Gedächtnis".

21 Schuraer fielen dem ersten Weltkrieg zwischen 1914 und 1918 zum Opfer - diese Namen benötigen in der linke Natursteinsteinplatte etwa zwei Drittel der Fläche. Es folgen noch neun Namen der insgesamt 32 Schuraer Männer, die ihr Leben im zweiten Weltkrieg zwischen 1939 und 1945 lassen mussten, weitere 23 Namen finden sich auf der rechten Steinplatte, darunter noch sieben als vermisst geltende Männer.

Die mittlere Steinplatte zeigt einen Mann und eine Frau mit gesenktem Kopf, die sich vor zwei großen Ähren die Hand reichen. In den ersten Jahren wurden von vielen Familien der Gefallenen und Vermissten besonders zur Sommerszeit bunte Blumensträuße aus dem eigenen Garten vor das Gefallenenmahl gestellt. Heute ist dies kaum mehr der Fall - die meisten direkten Angehörigen, Frauen oder gar Mütter sind zwischenzeitlich ebenfalls verstorben.

Seit das Denkmal in Schura steht, werden jedes Jahr im November im Rahmen einer Feierstunde zum Volkstrauertag Kränze an diesem Mahnmal niedergelegt. Das Blumenbeet vor dem Ehrenmal wurde in den ersten Jahren von der damals noch eigenständigen Gemeinde Schura gepflegt. Mit der Eingemeindung übernahm der Städtische Bauhof Trossingen die Pflege des Mahnmals im Rahmen der Friedhofspflege.

Das Kriegerdenkmal in Schura ist eines von 52 Roland-Martin-Werken im Kreis Tuttlingen. Im Spätherbsttag im Jahr 2007 fotografierte es beispielsweise der Kommunikationswirt Hartwig Steiner von der Stuttgarter Agentur Amm & Steiner für eine Dokumentation mit allen Roland Martin-Werken zu dessen 80. Geburtstag. Seit dem Frühjahr 2007 war der gebürtige Tuttlilnger Steiner teils alleine, manchmal gemeinsam mit seinem Freund Roland Martin unterwegs, um die 40 Schaffensjahre von Martin zu dokumentieren. Steiner fotografierte auf seiner Spurensuche durch ganz Baden-Württemberg insgesamt 144 Skulpturen, Brunnen, Stelen, Mosaike, Glasfenster und Kriegerdenkmale.

Im Februar 2008 fand dann im Landratsamt Tuttlingen eine Ausstellung mit dem Titel "Roland Martin - Spuren im Kreis" statt, bei der bereits ein Foto des Schuraer Mahnmals zu sehen war. Ende November 2008 war es dann soweit: Steiner überreichte gemeinsam mit Lothar Broda, Direktor der Kreissparkasse, seinem Freund Roland Martin als nachträgliches Geschenk zum 80.Geburtstag eine dicke Kassette mit 144 Bögen, auf denen die 144 Werke des Künstlers in allen Facetten zu sehen sind. Gleichzeitig erschien ein Buch mit dem Titel "Roland Martin - Skulpturen im Kreis". "Mit diesem Buch möchte ich die Menschen aufmerksam machen auf die Kunstwerke, die in ihrer Region stehen, teilweise vergessen sind und Pflege brauchen" , hatte Steiner damals gesagt.

In Schura führt der Hauptweg des Friedhofes kerzengrade auf das Kriegerdenkmal von Roland Martin zu.

Roland Martin: 1927 in Tuttlingen geboren; 1943-45 Luftwaffenhelfer, Arbeitsdienst, Militär, Gefangenschaft; 1946-52 Bernsteinschule, Hans Pfeiffer, dazwischen 1948 Kunstakademie Freiburg, Prof. W. Gerstel; 1951-52 Schüler bei Prof. Fritz Nuss, seit 1952 Bildhauer in Tuttlingen. Roland Martin ist ein Leben lang unabhängiger freischaffender Künstler. Er ist Mitglied im Künstlerbund Baden Württemberg und im Deutschen Künstlerbund; ausgezeichnet mit dem Kulturpreis der Stadt Tuttlingen.

Von unserer MitarbeiterinIngrid Kohler

Kommentare werden geladen