Laura Weihenmaier schmettert Siegball

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"Schon ein einmaliges Erlebnis", sagt Laura Weihenmaier zur für sie und ihre Mannschaft so erfolgreichen Weltmeisterschaft. Nicht allein wegen der Goldmedaille, sondern auch eingedenk der tollen Stimmung. Gut 7000 Zuschauer erlebten das Endspiel zwischen Deutschland und der Dominikanischen Republik. Ausgerechnet Niederländer im Publikum feuerten die Deutschen mit an -- kein Wunder, Trainer Han Albin ist Holländer.

Daheim in Tuttlingen fieberten die Eltern frühmorgens vorm Computer mit und drückten die Daumen. Als der Internet-Liveticker den von Laura Weihenmaier verwandelten Matchball zum deutschen 3:0-Sieg vermeldete, flippte Vater Helmut vor Begeisterung ("Wir sind Weltmeister!") schier aus.

Vor neun Jahren fing Laura Weihenmaier bei der TG Tuttlingen mit Volleyball an. Sie eiferte als Kind immer der älteren Schwester Alena nach, sportlich wie musikalisch. Zumal sie Ballspiele schon vom Kinderturnen an mochte, ging es dann gemäß Alenas Vorbild auch zum Volleyball. Ihr Talent zeigte sich alsbald bei den südbadischen Meisterschaften und bei der DM-Teilnahme mit den D-Mädchen der TGT. Über den Landesverbands-Kader rückte die Tuttlingerin in den Baden-Württemberg-Kader, ehe "sie irgendwann in die Nationalmannschaft rutschte".

Schon als 13-Jährige spielte Laura Weihenmaier in der 1. Damenmannschaft. Anno 2005 wechselte sie zum Baden-Oberligisten TV Villingen, mit dem sie zwei Jahre später den Aufstieg in die Regionalliga schaffte. Im gleichen Jahr folgte der Wechsel zu VCO Berlin, unter dessen Flagge der deutsche Nachwuchskader in der Bundesliga spielt. Diese Ära endete heuer aus Altersgründen für die Tuttlingerin, die nun ein Angebot vom Erstliga-Aufsteiger SC Potsdam akzeptiert hat. Zudem nimmt sie das 12. Gymnasiums-Schuljahr und die danach m;gliche Fachhochschulreife in Angriff; Laura Weihenmaier will dann entscheiden, ob sie fürs Abitur noch ein weiteres Jahr dranhängt.

Ob die Wahl-Berlinerin später eine Laufbahn als Profi-Volleyballerin einschlägt, lässt sie noch offen. Abgeneigt wäre sie nicht grundsätzlich: "Es ist ja nicht schlecht, wenn man sein Hobby zum Beruf macht und dafür noch Kohle kriegt..."

Um ein Haar hätte Laura Weihenmaier auf die WM-Nominierung doch noch verzichten müssen. Die 18-Jährige knickte kurz vor der WM mit dem Fuß um. Die Mexiko-Reise schien ernsthaft gefährdet, doch in der einwöchigen Pause, mit täglicher Behandlung, heilte die Verletzung gerade noch rechtzeitig wieder aus.

Das Abenteuer WM begann mit einer Woche Trainingslager in Brasilien, ehe es zwei Tage vorm Turnierstart nach Mexiko ging. "Ziel war auf jeden Fall eine Medaille; als Favorit galt Brasilien", erinnert sich Laura Weihenmaier. Sie mussten gut starten, wussten die Deutschen und hatten vorm ersten Spiel also "erstmal Druck". Doch gegen Taiwan fanden sie, mit Laura Weihenmaier in der Startformation, gleich gut ins Spiel und siegten 3:0. Auch Tschechien und China wurden klar besiegt.

Im ersten Zwischenrundenspiel gegen die Türkei wollte es der Ex-Tuttlingerin dann nicht so optimal klappen: "Ich habe ein bisschen geschwächelt, es war nicht so mein Tag." Sie wurde ausgewechselt, kehrte bei den nächsten Begegnungen aber wieder in die erste Sechs zurück.

Gegen die spielstarke Dominikanische Republik sicherten sich die Deutschen nach nervenaufreibenden fünf Sätzen mit 3:2 den Vorteil, im Halbfinale nicht auf Favorit Brasilien zu treffen. Es folgten 3:0-Erfolge über Mexiko und - im Halbfinale - gegen Bulgarien. Die Dominikanische Republik, deren Trümpfe zwei große Außenangreiferinnen und eine starke Zuspielerin waren, schlug Brasilien - so geriet das Endspiel zur Neuauflage der dramatischen Zwischenrunden-Partie.

Überraschend klar mit 3:0 sicherten sich die jungen Deutschen den WM-Titel. Das Team, berichtet Laura Weihenmaier habe insgesamt kompakter gewirkt; "Aufschläge und Block waren der Knackpunkt." Auch konditionell schien die DVV-Truppe stärker: "Wir haben das ganze Jahr über auch Ausdauer-Arbeit gemacht und Regeneration trainiert", sagt die Wahl-Berlinerin, "im Finale hat man gesehen, dass die Dominikanische Republik etwas kaputt war".

Laura Weihenmaier schmetterte schließlich den entscheidenden Ball ins gegnerische Feld - Jubel im deutschen Lager brach aus, Freudentränen flossen, alles lag sich in den Armen. "Nach den 14 Tagen war es wie ein Erlösung", berichtet Laura Weihenmaier -- auch wenn sie "es einfach gar nicht glauben konnte, dass wir Weltmeister sind; erst wenn man zu Hause ist und alle gratulieren, fängt man langsam an, es zu realisieren".

Viel Zeit zum Feiern bestand nicht: Nach der Siegerehrung ging es um 23 Uhr zurück ins Hotel, wo "großes Packen", samt ausgiebigem Kleidertausch mit den im gleichen Quartier logierenden Brasilianerinnen, angesagt war. Um 2 Uhr folgte die Fahrt zum Flughafen. "Im Bus haben wir noch ein bisschen gefeiert", erzählt Laura Weihenmaier, "im Flugzeug haben dann alle erstmal geschlafen..."

"Willkommen als Weltmeister", hatte Mutter Ilona auf ein Schild geschrieben, das sie beim Empfang im Stuttgarter Flughafen empor hielt. Tochter Laura war "froh, nach zwei Monaten wieder zu Hause zu sein und die Familie wiederzusehen, das ist ein schönes Gefühl!" In Tuttlingen erhielt sie viele Glückwünsche, Anrufe, Kurznachrichten aufs Handy und E-Mails. "Enttäuscht" hat die 18-Jährige nur, dass von ihrem Stammverein TG niemand gratulierte. Mit den Eltern verbrachte sie dann noch zehn Tage Urlaub auf Mallorca, ehe es am Montag wieder nach Berlin ging.

Am Mittwoch sollte das Training mit dem SC Potsdam anfangen - zwei Mal täglich, zehn Einheiten pro Woche. Das morgendliche Krafttraining kann Laura Weihenmaier jedoch, dies ließ sie mit Rücksicht auf die Schule im Vertrag fixieren, in Berlin absolvieren: "Ich habe einen guten Krafttrainer und bleibe wohl bei ihm". Ganz unbekannt ist ihr Potsdams Kader nicht: Insgesamt drei bisherige und eine frühere Spielerin des VCO Berlin gehören dazu, außerdem eine WM-Teamkollegin. Der Trainer habe ihr avisiert, sie solle zu einer Leistungsträgerin des Bundesliga-Teams werden.

Als Diagnonalspielerin ist die 180 Zentimeter große Laura Weihenmaier "eigentlich nur zum Angreifen da" - ihre Stärken bilden große Sprungkraft und gute Angriffsaktionen.

Von unserem RedakteurRoland Habel

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