Ein Blick in die Anfänge der Geschichte

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"Die Stadt Tuttlingen gehörte zu den württembergischen Städten, die schon früh ein Spital besaß", weiß Kreisarchivar Dr. Hans-Joachim Schuster. 1320 wurde eine sogenannte "Kindsklause" schriftlich erwähnt. Gut 200 Jahre später, 1528, wurde ein "Armenleut-Haus" gebaut. Erst 1830 wurden im Katharinenhospital fünf Krankenbetten eingerichtet. 1846 wurde eine gesonderte Krankenanstalt innerhalb dieses Altenheims geschaffen. Aufgrund ständiger Überlastung wurde diese 1866 in ein eigenes Gebäude auf dem Steinwasen an der Neuhauser Straße - dem Standort der alten Ludwig-Uhland-Realschule - verlagert. Die Patienten waren größtenteils Mitglieder der Dienstbotenkasse. Das war eine frühe Art der Krankenversicherung für Dienstboten und Lehrlinge.

Trotz einer Steigerung der Bettenzahl auf 37 im Jahr 1900 war das Krankenhaus stets überbelegt. Der Landkreis hatte zum damaligen Zeitpunkt knapp 50.000 Einwohner. Das Trossinger Krankenhaus hatte weitere 25 Betten, in Spaichingen konnten 30 Patienten stationär aufgenommen werden.

Für eine grundlegende Verbesserung der Gesundheitsversorgung begannen deshalb 1907 die Bauarbeiten für ein Bezirkskrankenhaus auf dem Leutenberg. 1909 konnte dieses stattliche, mit 70 Betten ausgestattete Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Geleitet wurde das Krankenhaus von einem Chirurgen, dem alle Abteilungen unterstanden. 1930 wurden eine Sonderabteilung für Hals-, Nasen- und Ohrenerkrankungen und 1932 eine Innere Abteilung eröffnet.

Um diese Zeit herum wurden 1,85 Millionen Reichsmark in die Erweiterung des Gebäudes investiert. Das Bezirkskrankenhaus verfügte fortan über 200 Betten.

1945 nach Kriegsende wurde das Gebäude von der französischen Besatzungsmacht beschlagnahmt, die ein Feldlazarett einrichtete. Ärzte und Pflegepersonal mussten mit den deutschen Patienten in die heutige Karlschule umziehen. Nach einiger Zeit wurden einzelne Abteilungen in Häusern entlang der Neuhauser Straße Richtung Donau untergebracht. Im Mai 1946 durfte das Krankenhaus wieder mit Deutschen belegt werden.

In den 50er und 60er Jahren wurde das Kreiskrankenhaus im Inneren erneuert und auf eine Bettenzahl von 300 vergrößert. 1967 wurde ein Schwesternwohnheim eingeweiht, Ende der 60er Jahre wurde der Operationstrakt erweitert. Von 1977 bis 1992 wurden für eine Generalsanierung in drei Bauabschnitten fast 100 Millionen DM investiert. Zunächst entstanden ein neuer Bettenflügel, eine moderne Küche und ein neuer, großer Eingangsbereich. Dann wurde ein Funktionsneubau erstellt. Außerdem wurden alle Arzt- und Behandlungseinrichtungen auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Im dritten Abschnitt wurde ein Neubau mit Pflegestationen, einer Dialysestation, einem Archiv, einem Zentrallager und mehreren Verwaltungsräumen errichtet.

2001 wurde das Kreiskrankenhaus Tuttlingen in "Kreisklinik Tuttlingen" umbenannt. 2004 schlossen sich die beiden Kliniken Tuttlingen und Spaichingen zum "Klinikum Landkreis Tuttlingen" zusammen.

Von unserer MitarbeiterinAnika Luz

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