Fischtreppe am Wehr verteuert den Öko-Strom

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MUNDERKINGEN - Auf ihrer Wanderung die Donau hinauf ist für Forelle Co. bisher bei Munderkingen Schluss. Grund ist das Wehr der EnBW, die dort eine Turbine betreibt, und das den Fischen den Weg versperrt. Doch die Sackgasse soll verschwinden. Die EnBW will ab Herbst eine Fischtreppe bauen. Die Kosten trägt der Stromkunde.

Alles hat seine zwei Seiten, so auch die Fischtreppe, die die EnBW an der Dommühle errichten will, und die den Fischen - in erster Linie Forelle und Aal - die Wanderung donauaufwärts ermöglichen soll. Wegen des Wehrs ist hier derzeit noch Endstation. Am Donnerstag muss der Munderkinger Rat dem Projekt sein Einvernehmen erteilen. Baubeginn wäre im Herbst.

Doch die barrierefreie Donau hätte auch zur Folge, dass Munderkingen um einen erfolgversprechenden Angelplatz ärmer würde. Weil die Fische hier nicht weiter kommen, hat sich der "Hexenkessel" unterhalb des Wehrs zum Tummelplatz der wanderfreudigen Tiere entwickelt. Trotzdem befürwortet der Munderkinger Fischereiverein die Treppe: "Mit ihr finden die Fische wieder neue Laichplätze", erklärt der Vorsitzende Max Burgmaier. In der Folge erhofft er sich "erhöhte Reproduktionszahlen" der Fische in Gebieten, die sie wegen des Hindernisses bisher nicht erreichen konnten.

Geplant und finanziert wird die neue "Treppe", die auf dem Grünstreifen zwischen Wehr und Dommühle gebaut werden soll, von der EnBW. Da der Energieversorger nicht verpflichtet werden kann, eine neue Fischtreppe zu errichten, hat der Gesetzgeber im Rahmen der "Wasserrechtsrahmenrichtlinie" Anreize für Betreiber von Wasserkraftwerken geschaffen. Mit dem Bau der Fischtreppe kann die EnBW ihren Preis des ökologisch erzeugten Stroms pro Kilowattstunde um bis zu vier Cent erhöhen. Letztlich, so Bernd Weltin vom Landratsamt, komme der Endverbraucher der Energie für die Kosten des Bauwerks auf.

Im Gespräch ist eine Fischtreppe an der Dommühle schon seit Jahren - obwohl wenige Meter weiter bereits eine solche existiert; funktioniert hat diese allerdings nie richtig. Die neue "Treppe" besteht aus 20 Becken, die jeweils rund sechs Quadratmeter groß und 90 Zentimeter tief sind. Schwimmen die Fische von Becken zu Becken, erreichen sie schließlich den höher gelegenen Bereich der Donau, der ihnen bisher versperrt blieb.

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