Die Räuberbande lauert schon im Schlosshof

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Mit der wildromantischen und lustigen Räuberposse "Das Wirtshaus im Spessart" von Curt Hanno Gutbrod hat die Kolpingsbühne Meßkirch im Innenhof des Meßkircher Schlosses ihrer Schauspieltradition wieder alle Ehre gemacht. Das Premierenpublikum war hingerissen von der Leistung der insgesamt 160 Akteure.

Bis zum Beginn der Freilichtaufführung am Freitag lagen bei den beiden Spielleitern Thomas Schlude und Benedikt Hermann die Nerven blank: Die Wetterlage erschwerte nicht nur die Probentätigkeit im Freien, sondern machte auch die Abschlussprobe unmöglich. Glücklicherweise blieb es am Wochenende trocken.

Die Räuber-Geschichte, die in den 50er Jahren verfilmt wurde, strotzt vor Witz, Wortgefechten und deftigen Schlagabtauschen. Nichts wird dem Zufall überlassen und je verwickelter die Handlung wird, desto amüsanter wird es. Die Geschichte vom Wirtshaus ist schnell erzählt: Komtess Franziska von und zu Sandau ist mit ihrem ängstlichen Verlobten Baron von Sperling (Alfred Kopf), der Zofe Barbara (Nicole Strehl) und dem sehr um die Komtess besorgten Pfarrer Haug (Ulrich Lipp) mit der Kutsche unterwegs nach Würzburg. Im Spessart-Wald bricht ein Rad der Kutsche. Nichts ahnend, folgen sie dem Rat der pfiffigen Handwerksburschen Knoll und Funzel und steigen im "Wirtshaus im Spessart" ab. Dort werden sie von der Wirtin (Andrea Brugger) empfangen.

Als die forsche Komtess merkt, dass es sich bei dem Wirtshaus um den Unterschlupf einer Räuberbande handelt und das Gesindel es auf sie und das Geld ihres Vaters Wilhelm Graf von Sandau abgesehen hat, schmeißt sie sich gar nicht dumm in die Kluft eines Handwerksburschen und entfleucht. Ihr alter, geldverliebter Herr (Wolfgang Schatz), der lieber seine Tochter den Räubern lässt als Lösegeld zu zahlen, schickt dagegen seine Soldaten unter dem Kommando des dienstbeflissenen Obristen von Teckel (Peter Gasser) in Richtung Wirtshaus im Spessart. Franziska, forsch und schelmisch von Constanze Kirchmaier dargestellt, kehrt daraufhin zu den Räubern zurück, um in ihrer Verkleidung dem Räuberhauptmann (Tobias Brecht) als Bursche zu dienen. Dieser erkennt das falsche Spiel und es kommt wie es kommen muss: die beiden verlieben sich heftig. So wird Ende des letzten Aktes ihr Liedvortrag "Man kann die Liebe nicht erklären" im Quartett mit Zofe Barbara und dem Goldschmiedegesellen Felix (Marc Wischnewski) vor der in der Nacht versinkenden und goldweich beleuchteten Schlosskulisse zu einer der schönsten Szenen.

Apropos Kulisse: Hier haben es Bernhard Hahn, Benedikt Hermann, Franz Frick, Alypius Schafhäutle und zahlreiche Helfer verstanden, ein gigantisches Bühnenbild mit rustikal eingerichteter, zweistöckiger Wirtsstube und einem Wald zu schaffen. Ein Hingucker sind ebenso die prachtvollen historischen Kostüme.

Alles in allem muss man feststellen: Die Inszenierung ist eine tolle Gesamtleistung, angefangen von der Regie, über die Darsteller, die Musiker, die Sänger bis zum kleinsten Statisten. So kann man die Räuberbande mit ihrem markanten Korporal (Benedikt Hermann) und das Räuberliebchen Bettina (Lena Fischer) kaum besser in Szene setzen. Auch die beiden Handwerksburschen Knoll und Funzel reizen die Zuschauer schon zum Lachen bevor überhaupt etwas passiert, nicht zuletzt deshalb, weil sie bei jeder Gelegenheit das Schunkellied "Ach, das könnte schön sein" anstimmen. Dazu tritt zu Beginn der drei Akte und bei den Gesangseinlagen ein Orchester unter Leitung von Angelika Arzt live und dezent in Aktion. Der minutenlange Schlussapplaus am Freitag und Samstag im Schlosshof bewies: Alles richtig gemacht. Ein Tipp: Am 24. und 25. Juli stellt die Kolpingsbühne nochmals ihre Klasse unter Beweis. Karten gibt es bei der Volksbank Meßkirch.

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