Die bloghaus-Familie ist am See heimisch geworden

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LINDAU / WASSERBURG - Seit gut sechs Wochen wird in Lindau und Wasserburg die Fernsehserie dasbloghaus.tv gedreht. Hauptspielort ist ein Badehaus in der Nähe des Lindenhofbades. Die LZ hat sich die Dreharbeiten vor Ort angeschaut und stellt fest: Die Welt, die mit dem Filmteam an den Bodensee gekommen ist, ist bunt, interessant und für den Laien gar nicht so einfach zu durchschauen.

Hollywood fängt im Uli-Wieland-Weg in Wasserburg an. Zumindest in diesen Tagen, denn dort steht - gewissermaßen als Wegweiser zu dem Drehort von bloghaus.tv - ein Lieferwagen mit der Aufschrift Hollywood-Productions. Und er ist so etwas wie das Eingangstor in die Welt des Films. Diese Welt funktioniert in Kreisen. Hinter dem Lieferwagen beginnt der äußere Kreis. Da stehen auf dem Vorplatz einer Villa, der in normalen Zeiten ein Parkplatz für ein ruhiges Gästehaus ist, jede Menge Wohn- und Lieferwagen. Eine mobile Restaurantküche, ein Wagen für die Maske, einer für Requisiten und sonstige Filmutensilien und überall laufen Menschen zielstrebig von A nach B. Nur für den Außenstehenden erschließt sich der Sinn nicht. Dreharbeiten sind eben keine normalen Zeiten.

Gedreht wird aber nicht im Gästehaus, sondern im Badehaus 50 Meter weiter. Ein typisches Bodensee-Badehaus auf Holzpfählen ist jetzt das bloghaus und hier beginnt der mittlere Kreis der Filmwelt. Hier herrscht völliges Chaos. An die 20 Menschen sind auf engstem Raum versammelt. Alle wirken irgendwie beschäftigt und wichtig, aber am Anfang ist es auch hier völlig undurchschaubar. Hier sind zwei Damen, die für Make-Up und Frisur der Schauspieler zuständig sind. Immer wenn eine Szene gedreht wird, oder wenn Regisseur Peter Wekwerth ruft, schießen sie nach vorne und pinseln, bürsten oder zupfen an den Darstellern rum. Dann gibt es die Requisitendame, den Regisseur und seine Assistentin. Dann den Aufnahmeleiter, den Lichtmann, den Tonmann, den Kameramann, und dann ist man plötzlich im inneren Kreis. Der innere Kreis ist der Ort, wo in diesem Augenblick gedreht wird, in diesem Fall der Balkon des bloghaus. Hier herrscht ruhige und konzentrierte Arbeitsatmosphäre, auf dem Balkon sind nur noch die Schauspieler, die gerade dran sind, und der Kameramann.

Die Geschichte, die gedreht wird, ist, dass der gut aussehende Volleyballer Ole die bloghaus-Clique besucht und sich die Jugendlichen erst mal abtasten. Cliquenchefin Sofie ist eher zurückhaltend, während die hübsche Kaja ihn mit den Augen verschlingt.

Sophie heißt im wirklichen Leben Carla, geht in Bregenz ins Gymnasium und wird zur Zeit jeden Tag um eins vor der Schule abgeholt und zum Drehort gebracht. Dann wird bis um acht gearbeitet, und gegen neun schlägt sie ziemlich kaputt wieder zu Hause auf. Die Sache macht ihr aber, wie sie berichtet, riesig Spaß. Sie stammt aus einer Schauspielerfamilie, spielt mehr oder weniger seit ihrer Kindheit selbst Theater,und stellt jetzt fest, dass Film doch was ganz anderes ist. Sie sei auch im Privatleben jemand, der die Dinge eher geraderaus sagt, berichtet sie, insofern passe die Rolle der Sofie schon ganz gut zu ihr, auch wenn sie manchmal einen Schreck bekomme, wie direkt Sofie sei.

Schauspieler werden gecoacht

Und wenn es ihr dann tatsächlich mal schwerfällt, sich in die Rolle reinzuversetzen, dann gibt es Jürgen Trott, genannt Trotti, den Jugendcoach. Er atmet seit mehreren Jahrzehnten Theater- und Fernsehluft, hat am Maxim-Gorki-Theater gespielt, gehörte zum Ensemble des DDR-Fernsehens und schauspielert auch jetzt noch hin und wieder. Vor allem aber betreut er Jugendliche im Film und atmet diesen Sommer Bodenseeluft, was ihm wie den meisten vom Team ganz gut gefällt.

Er zeigt den Jugendlichen, wie sich locker machen für die Kamera und wie sie vor der Kamera glaubwürdig rüberkommen. Die jungen Schauspieler kreisen immer wieder um ihn, wenn der Regisseur eine Szene anders will, ist er es, der den Wunsch in die schauspielerische Anleitung übersetzt.

Ein Traum geht in Erfüllung

Kaja heißt im wirklichen Leben Kathrin und geht in Lindenberg in die Schule. Sie ist über das Casting in der Inselhalle zum bloghaus gekommen, und auch für sie hat sich, wie sie erzählt, mit der Rolle ein Traum erfüllt. "Im Film bin ich die kleine Diva", sagt sie , der Sommer als Schauspielerin macht ihr einen Riesenspaß, ob es auch was für die Zukunft wäre, weiß sie aber noch nicht so genau.

Für die acht jugendlichen Hauptdarsteller jedenfalls hat sich das Leben seit Drehbeginn völlig verändert. Aus dem alten Freundeskreis sind sie mehr oder weniger rausgerissen, stattdessen leben sie jetzt mit den Filmleuten. Carla alias Sofie berichtet, dass die Filmclique eigentlich schon zu Beginn der Dreharbeiten auch im wirklichen Leben Freundschaft geschlossen hat. "Als wir uns das erste Mal zum Grillen getroffen haben", sagt sie, "war es, als ob wir uns schon seit zwei Jahren kennen würden!"

Im bloghaus geht es - wie berichtet - um eine Clique von Jugendlichen, die einen Blog betreiben und sich im Bootshaus des Großvaters treffen. Natürlich funkt es zwischen den Jugendlichen gewaltig, Beziehungen entstehen und vergehen. Auf die Frage, ob das bei den Schauspielern genauso sei, antwortet Robert Herrmanns alias Manu, offen: "Noch nicht, aber fast!"

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