Appenweiler Weiher macht Probleme

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Überdüngt, trüb und voller Algen: Die benachbarte Landwirtschaft macht dem Appenweiler Weiher zu schaffen. Albrecht Trautmann vom Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen hat am Mittwoch den Ausschuss für Umwelt und Technik vor Ort informiert und an den Gewässerentwicklungsplan erinnert.

Der Appenweiler Weiher ist vermutlich im 15. Jahrhundert als Mahlweiher angelegt worden, berichtete Albrecht Trautmann. An der tiefsten Stelle ist der Weiher über fünf Meter tief. Damit zählt er zu den tiefsten Gewässern im Bodenseekreis. Auch beim Phosphatgehalt liegt der Appenweiler Weiher im Kreisgebiet an der Spitze. Phosphat ist der entscheidende Nährstoff für Algen. Die Überdüngung des Weihers führt zu starkem Algenwachstum und trübem Wasser mit geringer Sichttiefe.

Noch liegen die aktuellen Messergebnisse nicht vor, sagte Trautmann. Aber der Gewässerexperte nannte den Zustand des Weihers "absolut unbefriedigend". Um die Wasserqualität zu verbessern, sei ein vielschichtiges Sanierungskonzept nötig. Zum einen vermutet Trautmann, dass häusliche Abwässer in den See gelangen, obwohl alle Teilorte und Gebäude rundum an die Kläranlage angeschlossen sind. Jetzt komme es darauf an, die verbleibenden Fehleinleitungen aufzuspüren.

Hauptursachen der Überdüngung des Appenweiler Weihers sind nach Trautmanns Worten diffuse Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft. Seit dem Jahr 2000 gibt es Pläne zur Extensivierung kritischer Flächen. Von 2001 bis 2005 sind tatsächlich 3,2 Hektar landwirtschaftliche Fläche im Einzugsgebiet des Weihers extensiv bewirtschaftet worden, berichtete Trautmann. Seit 2006 jedoch nicht mehr. Das Problem: Die Ausgleichszahlungen pro Hektar sind gesenkt worden. Damit sind Obstplantagen oder Maisanbau für Biogasanlagen für die Landwirte sehr viel lukrativer als die gewässerfreundliche Bewirtschaftung. Das wirkt sich im Aktionsprogramm zur Sanierung oberschwäbischer Seen drastisch aus: "Wir haben fast ein Drittel der extensivierten Flächen verloren", führte Trautmann aus. Der Appenweiler Weiher bekommt einen großen Teil der überschüssigen Nährstoffe aus seinen Zuflüssen. Die kleinen Bäche sollten renaturiert und mit Pufferflächen geschützt werden, forderte Trautmann.

Gewässerplan umsetzen wär' gut

Seit 2002 gibt es einen Gewässerentwicklungsplan. "Wenn die Stadt ihn umsetzen würde, wäre viel gewonnen", mahnte Trautmann an. Untersucht werden im Aktionsprogramm zwar nur die Nährstoffe - Trautmann geht jedoch davon aus, dass auch eine beträchtliche Menge an Pestiziden in Bäche und Seen gelangen. Sie können in Kläranlagen nicht ausgefiltert werden. "Zusammen mit Hormonen und Arzneimitteln fließen sie direkt in den Bodensee", sagte der Gewässerexperte.

Bertrand Schmidt von der Abteilung Umwelt- und Naturschutz im städtischen Amt für Bürgerservice setzt sich dafür ein, den Appenweiler Weiher als Naturerbe zu schützen. Der Weiher und Teile seines Einzugsgebiets könnten als flächenhaftes Naturdenkmal einen ähnlichen Status bekommen wie ein kleines Naturschutzgebiet.

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