Endlich: Neonazis verlassen heute Hohenberg

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Hohenberg war sogar die Parteizentrale der NPD gewesen, ein rechtsextremer Verlag hatte dort seine Geschäftsadresse, und immer wieder berichteten Hohenberger über rechtsradikale Besucher im "Goldenen Kreuz". Damit soll jetzt, vorausgesetzt die Übergabe läuft ohne größere Zwischenfälle ab, Schluss sein. Die Gemeinde hat Thierry den Gasthof abgekauft und ist ab heute offiziell der Besitzer. Damit endet für viele Hohenberger eine Leidenszeit, denn mit den Nazis arrangieren wollte man sich nicht.

Vor dem Gasthaus hat es etliche Demonstrationen und Gedenkfeiern gegeben. Immer wieder haben die Hohenberger, allen voran das Lokale Bündnis "Wir gegen Rechtsextrem", protestiert und diverse Veranstaltungen organisiert. Das Open-Ear-Festival vor fast genau einem Jahr war dabei, zumindest was die Zahlen angeht, der Höhepunkt: Zwei Tage lang haben hunderte Zuschauer bei Musik und Gesang gefeiert und gezeigt, dass Hohenberg multikulturell und bunt ist.

Roland Hagmann ist Teil des Bündnisses und freut sich über den Abzug der Nazis. Man habe oft und lautstark gegen die Neonazis protestiert. Hagmann ist sich sicher, dass der anhaltende Protest mitverantwortlich ist für den Abzug. "Die haben sich hier nie wohlgefühlt und das sollten sie auch nicht", sagt er.

Bürgermeister Uwe Debler hat gestern gegenüber der Ipf-und Jagstzeitung noch nicht jubeln wollen. Heute werde er die Vertragsbestandteile prüfen. Beispielsweise muss das Gebäude in dem Zustand übergeben werden, in dem es beim Vertragsabschluss war. Am Samstag sind laut Augenzeugen einige Scheiben bei einer "Abschiedsparty" zu Bruch gegangen. Auch steht im Vertrag, dass die Gastraumeinrichtung, beispielsweise Theke, im Gebäude zu bleiben hat. "Wie das Objekt übergeben werden muss, ist klar vertraglich geregelt, mögliche Mängel sind zu beheben", so Debler. Zur möglichen Nutzung des Gasthofes, lange Zeit war ein Pilgerzentrum im Gespräch, wollte sich Debler nicht äußern.

Klar ist allerdings, dass die Gemeinde auch weiterhin ihre Präventions- und Informationsarbeit fortsetzt. In den vergangenen Jahren konnten immer wieder hoch angesehene Spezialisten gewonnen werden, die verschiedene Vorträge zur NS-Zeit und zum Rechtsradikalismus gehalten haben.

Von unserem RedakteurDavid Oliver Betz

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