Nach sieben Jahren rollte wieder ein Zug von Altshausen nach Pfullendorf

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Dass bald wieder Züge auf der Bahnstrecke Altshausen-Ostrach-Pfullendorf verkehren, wird immer wahrscheinlicher. Ein sogenannter Gleismesszug hat den Zustand der Schienen überprüft. Das Ergebnis fiel positiv aus.

Autofahrer, Anwohner und Passanten staunten schon nicht schlecht, als auf dem verrosteten Gleis der Bahnlinie Altshausen-Pfullendorf erstmals wieder ein Zug zu sehen war. Es handelte sich um einen Gleismesszug der Deutschen Bahn, der den Zustand der Schienen überprüfte. Zuletzt verkehrte auf der Strecke im Sommer 2002 ein Güterzug. Die "Interessengemeinschaft (IG) zum Erhalt der Bahnstrecke Altshausen-Pfullendorf" bemühe sich derzeit, die rund 25 Kilometer lange Strecke wieder öffentlich nutzbar zu machen, erklärt Bernd Stephan, Wirtschaftsförderer bei der Stadt Pfullendorf. Hierfür sei es notwendig gewesen, sich mit Hilfe des Messzuges ein genaues Bild von der Qualität des Gleises zu machen.

Ziel: betriebsfähiger Zustand

In der Interessengemeinschaft engagieren sich neben den Gemeinden Altshausen, Boms, Hoßkirch, Eichstegen, Königseggwald, Ostrach und Pfullendorf auch die Landkreise Ravensburg und Sigmaringen, der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben und einige Firmen entlang der Strecke.

Die Gemeinden Ostrach und Pfullendorf pachten das Gleis derzeit von der Deutschen Bahn - für die Kosten kommt die Interessengemeinschaft auf. Bisher habe man die stillgelegte Strecke lediglich gepflegt, um sie vor dem Verfall zu bewahren. Nun sei es jedoch das Ziel, sie in einen betriebsfähigen und öffentlichen Zustand zu versetzen, sagt Stephan. Unter dem Namen "Regionale öffentliche Bahn der Stadt Pfullendorf" wolle man sich präsentieren. Jedes Eisenbahnunternehmen werde dann die Strecke mit passenden Fahrzeugen nutzen können. Dieser öffentliche Status hätte den Vorteil, dass dann auch staatliche Fördermittel fließen könnten.

Frachtmengen nicht abschätzbar

Warum aber bemüht sich die IG in Zeiten derRezession um die Bahnlinie? Man gehe davon aus, dass die Schiene gegenüber der Straße in den nächsten Jahren wieder attraktiver werde, erklärt Bernd Stephan. Der kombinierte Verkehr Straße/Schiene werde weiter wachsen. "Wenn wir hier in Pfullendorf schon ein Containerterminal haben, wollen wir auch die Option darauf behalten", zumal das Terminal in Ulm an seinen Kapazitätsgrenzen angelangt sei. Speziell im Blick auf den Alpentransit lohne es sich, die Bahn im Auge zu behalten. Und schließlich komme auch der im Raum Ostrach abgebaute Kies als Bahnfracht infrage.

Bernd Stephan ist hochmotiviert: "Am liebsten würden wir morgen schon Güterzüge rollen lassen", sagt er. Und dennoch bremst er vorschnelle Erwartungen. Man gehe "mit kleinen Schritten" vorwärts. Gespräche mit möglichen Güterverkehrskunden liefen, die Frachtmengen seien aber noch nicht abschätzbar. Ob die geplanten Sonderzüge zur Fahrradrundfahrt "Tour-de-Ländle", die am 31. Juli in Pfullendorf Station macht, zustande kommen, ist ebenfalls noch offen.

Neuigkeiten brachte das Ergebnis der Messfahrt am Dienstag: "Der Zustand des Gleises ist besser als wir befürchtet hatten", sagt Eisenbahnbetriebsleiter Frank von Meißner. "An einzelnen Stellen müssen wir die Schienen schleifen, um die nötige Spurweite sicherzustellen. Aber das ist ein überschaubarer Aufwand, der auch eingeplant war." Ein Problem stellen jedoch die Bahnübergänge dar. Da die Strecke jahrelang stillgelegt war, sind viele der elektrischen Schranken nicht mehr funktionstüchtig. Daher musste die Besatzung des Messzuges vor jedem Übergang aussteigen und den Straßenverkehr anhalten.

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