Tätowierungen erobern alle Gesellschaftsschichten

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Tattoos haben nach Darstellung des Vereins Deutsche Organisierte Tätowierer (DOT) mittlerweile alle Gesellschaftsschichten erobert. Zu uns kommen Hausfrauen und Kosmetikerinnen genauso wie Ärzte und Juristen, sagte das DOT-Vorstandsmitglied Herry Nentwig am Rande eines Seminars seines Vereins in Koblenz.

Der Tattoo-Boom halte ungebrochen an, seit Stars von Film und Popmusik wie Julia Roberts und David Bowie diesen Schmuck am Körper gesellschaftsfähig gemacht hätten. Heute gibt es in Deutschland schon 5000 bis 10 000 Tätowierläden, schätzte Nentwig.

Früher hatten nur Rocker, Seefahrer und Leute im Knast Tätowierungen, erinnert sich der 39-Jährige, der in Koblenz seit 1985 ein Tattoo-Studio betreibt. In den wilden Siebzigern habe es dann den ersten Boom gegeben. Heute versteckt zum Beispiel ein Postbeamter seine Tätowierung nicht mehr auf dem Rücken vor seinen Kollegen, sondern zeigt sie offen auf dem Arm, sagte Nentwig.

Der Trend gehe zu großflächigen Tattoos. Früher sollte es ein kleiner Schmetterling oder ein Teufelchen sein. Jetzt ist oft der ganze Arm oder der ganze Rücken gefragt, erklärte das DOT-Gründungsmitglied. Beliebt seien heute unter anderem Drachen, chinesische Schriftzeichen und Tattoos ganz in Schwarz. Manche Tätowierbetriebe bieten laut Nentwig mehr als 50 000 verschiedene Motive an.

Der gelernte Bürokaufmann räumte ein, dass sich in seiner Branche etliche schwarze Schafe mit unprofessioneller Arbeitsweise tummeln. Auch deshalb haben wir 1995 unseren Verein gegründet, um uns davon abzugrenzen. Bei uns werden nur Leute mit mindestens fünf Jahren Erfahrung aufgenommen, die bestimmte Hygienevorschriften erfüllen, sagte Nentwig. Der DOT mit Sitz in Berlin zähle heute etwa 50 Mitglieder.

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