"Ich kann auch ohne Eishockey leben"

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"Mein Körper macht es nicht mehr mit" bringt es der Fronhofener auf den Punkt, der am Montag seinen 23. Geburtstag feiert. Eine verheißungsvolle Karriere ist damit bereits zu Ende, bevor sie richtig angefangen hat. Stefan Fellner stand in Schlittschuhen auf dem Eis solange er denken kann. "Mit drei Jahren gings los" erinnert er sich, mit fünf kamen Schläger und Puck dazu. Fellner hat alle Jugendmannschaften des EVR durchlaufen und galt als das ganz große Talent des Vereins. "Unter Frieder Schüle habe ich in der Jugend viel gelernt", sagt Fellner rückblickend.

In der Saison 2002/2003 kam er als 16-Jähriger erstmals zum Kreis der ersten Mannschaft, 45 Mal war er zumindest auf dem Spielberichtsbogen verzeichnet, die Eiszeiten waren freilich nicht lange. Sein erstes Spiel am St. Christina-Hang war gegen den EV Füssen. "Es ist wichtig, junge Spieler früh an den Leistungssport heranzuführen", sagt Fellner heute, sein Blick geht nicht zurück im Zorn.

48 Kurz-Einsätze folgen in der zweiten Saison, von da an geht die Einsatz-Statistik aber steil bergab. Denn bereits in der Saison 2004/2005 begann die Verletzungsgeschichte des Stefan Fellner. Schultereckgelenk rechts kaputt. "Damals dachte ich, so eine Verletzung gehört halt dazu zum Leistungssport", sagt Fellner, "aber dann hat es nicht mehr aufgehört." Erstmals erfährt Fellner, wie es ist, sich nach drei Monaten Verletzungspause wieder zurückzukämpfen.

In der Saison 2005/2006 erleidet er einen Teilabriss des Innenbandes im linken Knie. Das war der Anfang vom Ende. Denn das linke Knie wurde Fellners Achillesferse. In der Saison 06/07 startet Fellner gut in die Saison. Unter Trainer Georg Holzmann bekommt er seine Einsätze und schafft den Durchbruch. Holzmann hält große Stücke auf Fellner und sieht gar schon den ersten Nationalspieler aus Ravensburg heranwachsen.

Nach 22 Spielen reißt erstmals das Kreuzband im linken Knie, Saisonende. Wieder kämpft sich Fellner zurück, zum Saisonstart 07/08 ist er wieder an Bord. Dieses Mal kommt er auf fünf Einsätze. Zum 2. Mal reißt das Kreuzband im linken Knie. "Vom Kopf her war das ganz schwierig, denn ich wusste, was auf mich zu kommt". Die meisten Profi-Karrieren sind danach zu Ende. Noch nicht die von Stefan Fellner: "Ich wollte es unbedingt noch einmal probieren". Und wieder verbringt der Eishockeyprofi Monat um Monat in der Reha und sucht den Anschluss. Auch Trainer Peter Draisaitl nimmt den inzwischen 22-Jährigen in seinen Kader und führt ihn wieder an die Mannschaft heran. Im zweiten Saisonspiel in Freiburg kommt das endgültige Aus: Fellner verletzt sich schwer an der linken Schulter.

"Ich habe noch immer Probleme", sagt Fellner heute. Die Arme kann er nicht ohne Schmerz über Schulterhöhe heben. Auch das Knie macht nach wie vor Sorgen. Schmerzen beim Treppensteigen, an Joggen ist nicht zu denken. "Ich musste einsehen, dass mein Körper zu sehr beschädigt ist", sagt Fellner. Nach einer Auszeit nach dem besagten Freiburgspiel war ihm bald klar, dass der Traum vom Eishockey-Profi ausgeträumt war. "Auch die Ärzte haben mir dringend geraten, meine Karriere zu beenden", sagt Fellner. Selbst wenn er seine Schulter wieder hinbekommt, weiß er, dass sein Knie nicht mehr zum Leistungssport taugt. "Bei solchen Verletzungen werden auch Meniskus und Knorpel in Mitleidenschaft gezogen, es wurde nicht mehr perfekt." Geholfen bei seiner Entscheidung haben Fellner seine Familie und sein Umfeld und dafür ist er dankbar. Fellner: "Ich möchte mich bei allen Leuten bedanken, die mir in meiner Karriere geholfen haben."

"Es ist nur meine Sportkarriere, nicht mein ganzes Leben", sagt Fellner. Dennoch gibt er zu, dass es für ihn schwer war, das zu kapieren, nachdem "Eishockey 20 Jahre im Mittelpunkt meines Lebens war." Dennoch hat er verstanden, dass sein Körper wichtiger ist als der Sport. "Ich versuche, das Positive herauszuziehen", sagt er weiter, "man muss damit umgehen können."

Im März dieses Jahres hat er ein Studium begonnen und damit einen neuen beruflichen Weg eingeschlagen. Als Trainer oder Manager will er sich jedoch im Eishockey-Sport nicht versuchen. "Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen, in diesem Metier gibt es ganz wenig Sicherheit", sagt Fellner, der jetzt auf eine solide Ausbildung setzt.

Dennoch kehrt er dem Kufensport nicht gänzlich den Rücken, schaut ab und zu die NHL im Fernsehen, "natürlich nicht mehr so intensiv wie früher." Auch die Tower Stars hat er am Ende der abgelaufenen Saison wieder begleitet, war mehrmals im Stadion und hat sich mit seinen Ex-Kollegen gefreut. "Ich war auch in München dabei", sagt er, "es wäre vielleicht sogar noch mehr drin gewesen, aber der EHC war einen Tick besser". Die Saison habe gezeigt, "was möglich ist in Ravensburg, aber man muss auch noch viel verändern." Kontakt hat er noch zu einigen Spielern, vor allem zu Philipp Haug und Stefan Vogt, die mit ihm aus der EVR-Jugend kamen. "Sowas bleibt für immer."

Dass er bei den Tower Stars keinen Vertrag mehr bekam, war am Ende logisch, auch wenn Fellner noch einmal spürte, wie es ist, wenn der Zug ohne einen abfährt. "Wenn ich gewollt hätte, wäre es sicher irgendwie weiter gegangen, vielleicht bei einem anderen Verein", sagt der 22-Jährige, "aber es war meine klare Entscheidung: Ich kann auch ohne Eishockey leben."

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