Gelungen: Altes und Neues ergänzen sich

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Ein außergewöhnliches Konzert hat es am Sonntag im Salemer Münster gegeben. Das "ensemble cantissimo" bot unter Leitung von Markus Utz a-capella-Gesang in Reinkultur. Werke von Heinrich Isaac sowie vier Uraufführungen waren zu hören.

Heinrich Isaac, franko-flämischer Komponist, wurde um 1450 in der Gegend von Brügge geboren und starb 1517 in Florenz. 1507/08 lieferte er zum Reichstag in Konstanz groß angelegte Motetten und erhielt vom Domkapitel 1508 den Auftrag zur Komposition von Messproprien der Hauptfeste. Sie sind Teil eines großen Sammelwerks, des 1550/1555 gedruckten "Choralis Constantinus".

Isaac-Kenner Professor Dr. James Feiszli aus South Dakota verfasste die Noteneditionen für die "Choralis Constantinus". 17 Sängerinnen und Sänger des 1994 gegründeten "ensemble cantissimo" sangen Isaacs Motetten, ergänzt durch Kompositionen zeitgenössischer Komponisten. "ensemble cantissimo" besteht aus 20 bis 35 jungen professionell ausgebildeten Sängern aus Deutschland und der Schweiz. Die Darstellung von alter und neuer Musik, außergewöhnliche Klangkonzeptionen und Vokalimprovisationen, die Aufführung unbekannter Werke machten den Chor mit seinem künstlerischen Leiter Markus Utz sehr schnell bekannt. Utz ist Professor für Chorleitung an der Zürcher Hochschule der Künste und Münsterorganist am Konstanzer Münster.

Vier Komponisten wurden vom "ensemble cantissimo" beauftragt, Motetten im Geiste der "Choralis Constantinus" zu schreiben. Christoph Garbes Motette "Exaudi, Domine" begann mit Obertongesang des Ensemblemitglieds Matthias Privler. Garbe ist Dirigent verschiedener Chöre und Orchester. Gregor Simon, studierter Kirchenmusiker in Laupheim, Organist und Chorleiter, war mit zwei Kompositionen vertreten, ein rhythmischer Sprechgesang über das Wort "crucifi-ge", der sich zu gehässigem Schreien und Kreischen steigerte und in der ruhigen Feststellung endete: "Kreuzige ihn'. Die zweite Komposition spielte Simon selber auf der Schwarz-Orgel im Münster: Klage - Anbetung aus dem Orgelzyklus "Morgenröte".

Hans-Jürgen Gerung wechselte in seiner Motette zwischen rhythmischem Sprechen und Singen. Er studierte am Leopold Mozart Konservatorium in Augsburg Musik, in der Schweiz und Italien Komposition. Laurence Traiger wurde 1956 in New York geboren, studierte in den USA und am "Mozarteum" in Salzburg. Traiger ist Dozent am Richard-Strauss-Konservatorium in München und an der Universität der Künste "Mozarteum". Die Motette zu Christi Himmelfahrt präsentierte sich sehr frisch und lebendig. Die modernen Kompositionen ergänzten Isaacs Motetten gelungen, dessen Renaissancemusik vom "ensemble cantissimo" sehr rein und deutlich in der wunderbaren Akustik des nur mäßig besuchten Münsters erklang.

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